(M)-Eine Bedienungsanleitung

Gepostet von Barbara Spring am Freitag, Juli 8, 2016 Unter: Lebensstil



Da sind wir nun stolze Besitzer/Innen unseres lang ersehnten EDV-Gerätes… gekauft… endlich! Jetzt nur noch rasch in Betrieb nehmen. 
Die Bedienungsanleitung ist natürlich in viele Sprachen übersetzt. Das muss so sein. Damit auch wirklich alle verstehen, wie dieses Gerät funktioniert. Irgendjemand hat die Übersetzung gemacht; irgendwann, vor langer Zeit. Es gab auch immer wieder Überarbeitungen… und es scheint fast, als wäre die Anleitung irgendwie nicht ganz, na ja, fertig.  

Also gut… jetzt wollen wir unser Gerät endlich in Betrieb nehmen. Doch schon bald stellt sich die erste Ernüchterung ein; wir verstehen diese Anleitung nicht wirklich! Hin und wieder finden wir ein Bild das das Geschriebene zusätzlich illustrieren soll… es wird uns halbwegs verständlich zu erklären versucht, wie dieses Gerät einzurichten, zu verwenden und später auch zu pflegen ist.

Wir stellen fest; die Bedienungsanleitung ist hier und da falsch übersetzt, zu kompliziert wo’s einfach sein sollte und zu einfach, wo’s komplex wird. Da fehlt ein Wort, hier ist ein Satz überhaupt nicht übersetzt, hier ist uns irgendwie der Sinn schleierhaft… da hat wohl die Tinte nicht mehr gereicht… was sollen wir bei Schritt 2.1.b genau machen?! …

Leicht entmutigt schielen wir ans Ende unserer Lektüre… wie viele Seiten sind’s noch? Oh mein Gott… wir sind nicht einmal im ersten Drittel angekommen!! Ein tiefer Seufzer... wir lesen weiter weil wir ja unser Gerät unbedingt in Betrieb nehmen wollen. Wir schlagen die Seite um und da steht geschrieben: „gehe zurück zu Punkt 1.9“… wieso jetzt zurück wenn wir doch weiter wollen?! Leichter Ärger macht sich breit, die Konzentration lässt auch langsam nach… wir beginnen zu schwitzen… so eine Sch…wierige Bedienungsanleitung aber auch! 

Wir sitzen da, zusammen mit unserer zerknautschten Bedienungsanleitung, vor unserem Gerät und beginnen leicht entnervt frei nach Schiller rumzuexperimentieren. Ist ja nicht das erste Teil, das wir in Betrieb nehmen. Gut, so eines hatten wir noch nie… doch es wird schon irgendwie gehen. Das muss doch klappen! Mal drücken wir diesen, mal jenen Knopf, drehen kurz am Regler links, stöpseln die vielen Kabel aus und wieder ein… bis das Gerät irgendwann – Hurraaa! - erste Töne, vielleicht sogar ein wackeliges Bild von sich gibt. Juhuuuu… wir bekommen’s doch noch hin!

Im Selbstgespräch hören wir uns sagen: „Nur Geduld – alles braucht seine Zeit. Entspannen wir uns erst mal wieder, tief durchatmen, cool bleiben – danach können wir weitere Versuche starten“.

Bedienungsanleitung „Leben“
So oder ähnlich könnte es vielen von uns gehen, wenn wir die Bedienungsanleitung „Leben“ in Händen halten. So vieles ist erklärt, normal, wird als selbstverständlich vorausgesetzt… doch bei gewissen Passagen sehen wir einfach nicht (mehr) durch. Wir verstehen nur noch „Bahnhof“.

Wer schreibt meine Bedienungsanleitung?
Wir entscheiden selber, wer an unserer Bedienungsanleitung schreiben darf. Am besten ist, wir schreiben uns unsere eigene. Soweit so gut. Jetzt haben wir aber alle unsere Lebensgrundüberzeugungen, unsere Bedienungsanleitung vor langer, langer Zeit ausgehändigt bekommen. Damals, als wir ganz klein waren. Wir lernten das “how to be und how to do“ von unserem direkten Umfeld, von unseren Eltern, Grosseltern, Geschwistern.

„So bin ich nun mal; ich kann mich nicht ändern“. Solche Aussagen höre ich immer wieder in meiner Praxis. Und ich sage immer wieder darauf: „Doch, jede/r kann sich - sein Denken - Fühlen - Handeln - verändern. Wenn der Wunsch und der Wille dazu da ist“. Wir alle haben unsere Basisbedienungsanleitung während unseren ersten sechs Lebensjahre geschrieben. Und wir alle können uns immer wieder dazu entscheiden, Passagen um- oder gar neu zu schreiben. Wir können unsere Erfahrungen aus unserem Erwachsenenleben hinzufügen, Handlungen die unnütz sind und nicht zum Ziel führen, bewusst wegstreichen. Wir können uns bei Abschnitten, die nicht so doll übersetzt sind, helfen lassen sie verstehen zu können.

Wenn wir uns dazu entscheiden, selber der Schreiber, die Schreiberin unserer Bedienungsanleitung zu sein, entscheiden wir, was geschrieben werden soll, wie detailliert und wie lange die einzelnen Kapitel sein sollen. Dann bestimmen wir die einzelnen Schritte von der Inbetriebnahme hin zum eigentlichen Betrieb und auch wie die Pflege unseres Geräts sein soll.

Auf diese Weise sind wir selber die Konstrukteure unseres (Er-)Lebens. Schritt für Schritt. Immer wieder auf's Neue. Wir leben unser Leben nicht fremd- sondern selbstbestimmt. 

In: Lebensstil 


Tags: bedienungsanleitung 

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