Eine spannende Frage

Gepostet von Barbara Spring am Freitag, September 25, 2015 Unter: Lebensstil
Was uns Dinge tun lässt, die wir "eigentlich" nie von uns erwartet hätten



Ja, wir Menschen. Wir sind grundsätzlich doch so einfach gestrickt. Wir wollen alles das Gefühl haben, wichtig sein zu dürfen, dazuzugehören, gehört und ernst genommen zu werden. Wir wollen uns durchsetzen können und wollen Kompromisse eingehen. Wir wollen für andere wichtig sein, wir wollen teilen und teilhaben können.

Bei all diesem Streben ist jeder Mensch für sich einzigartig in seinem Wesen.

Wir alle haben Grundbedürfnisse. Wir alle haben das Bedürfnis nach Bindung, nach Kontrolle und Autonomie. Das Bedürfnis nach Selbstwerterhöhung und das Bedürfnis nach Lust und Freude. 
Damit sich diese Bedürfnisse erfüllen, tun wir sehr viel, wenn nicht gar alles. Dabei tun wir dann manchmal Dinge, die wir von uns selber nie und nimmer erwartet hätten. Plötzlich sind wir mutig wo wir vorher ängstlich waren. Plötzlich legen wir unsere Gefühle offen, wo wir bisher verschlossen waren. Plötzlich werden wir selber aktiv wo wir bisher passiv waren. Und manchmal wägen wir unser Handeln nur aufgrund der sofortigen Erfüllung unserer Grundbedürfnisse ab und sehen die Langzeitwirkung - den Preis, den wir zahlen werden - nicht. 

Unser Umfeld dagegen sieht, was gerade passiert. Versucht zu warnen, mit uns zu reden. Doch die eigenen Ohren und Augen sind und bleiben dafür verschlossen. 

Endlich geschafft!
Endlich ist sie da, die grosse Liebe. Der lang ersehnte (vermeintliche) Prinz steht vor der Tür und "entführt" uns in seine Welt. Raus aus unserer Welt, die wir doch schon so lange nicht (mehr) mögen. Und wir gehen mit. Ohne zu Prüfen, ohne zu Hinterfragen. Alles scheint perfekt. Diese Chance, die kommt kein zweites Mal! Wir sind glücklich. Endlich glücklich. 

Zu Beginn ist alles neu. Die Umgebung, der Prinz ist immer noch ein Prinz, seine Welt mit den eigenen Augen kennen zu lernen, fasziniert. Bunt und schillernd ist alles. Wir sind abgelenkt durch die vielen neuen Eindrücke. Einen Monat, zwei Monate, ein halbes Jahr...und ganz leise, ohne dass wir es bewusst wahr nehmen, schleichen sich hier und da kleine Unstimmigkeiten ein. Aus dem Prinz wird nach und nach ein Frosch. Die anfängliche Dominanz des Prinzen wurde als "endlich beschützt mich einer" empfunden... und jetzt... wirkt sie mehr und mehr einengend. Ach was... das bilden wir uns doch nur ein! Unser Prinz hat eine Arbeit der er täglich nachgeht. Die Geschäftsreisen waren am Anfang willkommene Abwechslungen, auch mal alleine sein zu können... jetzt das viele Alleinsein... Die Gedanken beginnen sich zu jagen... der Blick zurück, ins alte Leben wird häufiger. Na ja, sooo schlecht war's ja früher auch wieder nicht... und wir stellen fest, dass sich die Dinge, die schon früher nicht stimmten, sich zu wiederholen beginnen.

Wiederholung
Das darf doch nicht wahr sein! Dieses Mal sollte doch alles anders werden! Langsam dämmert uns, dass unser Umfeld damals, als wir all dies (notabene selber) in die Gänge brachten, recht gehabt hat. Bloss wollten wir weder hinhören noch hinsehen. Die alten, so bekannten Muster sind wieder aktiv. Der Mut ist futsch und die Unsicherheit wieder da. Über die eigenen Gefühle sprechen, sich öffnen, das geht nicht mehr. Zu sehr schmerzen die abwertenden Worte, das Sich-nicht-verstanden-fühlen. Der Wille zur Selbstentwicklung, zur aktiven Gestaltung des eigenen (Er-)Lebens ist der Passivität gewichen.

Was ist passiert? Es hat doch so gut angefangen!
Lebensstil ist passiert. Das ist dieses Ding, das wir uns in unserer frühesten Kindheit auf den Leib geschrieben haben. Das ist unser "Fuss- oder Handabdruck" des (Er-)Lebens. Unsere Sicht von uns, dem Leben, der anderen, der Dinge. Und diesen Fuss- oder Handabdruck drücken wir unserem (Er-)Leben buchstäblich immer wieder auf's Neue auf. Und das tun wir dann auch noch gleich selber! Das tut keiner für uns!

  • Wo wir uns zugehörig gefühlt hatten, fühlen wir uns wieder ausgeschlossen. 
    Lebensstil: "ich gehöre nicht dazu" oder "ich bin wertlos und überflüssig"
  • Wo wir mutig waren, sind wir wieder ängstlich. 
    Lebensstil: "ich kann's eh nicht" oder "andere können's immer besser, ich schaffe es nie"
  • Wo wir uns geöffnet und Nähe hergestellt und zugelassen hatten, ziehen wir uns wieder in unser Schneckenhaus zurück.
    Lebensstil: "ich bin einsam" oder "alle verlassen mich immer wieder"
Und so weiter...

Was jetzt?
  • Wenn wir mutig sein konnten heisst das ja nichts anderes, als dass wir mutig sind und es immer wieder sein können!
  • Wenn wir uns zugehörig fühlen konnten heisst das ja nichts anderes, als dass wir Menschen finden können, zu denen wir uns zugehörig fühlen können (wollen) und wir diese Fähigkeit in uns haben!
  • Wenn wir uns öffnen konnten und Nähe zugelassen haben heisst das ja nichts anderes, als dass wir uns (mutig) öffnen und Nähe schaffen können!

Wir Menschen sind Entscheidungen treffende Wesen
Wir können uns nicht nicht entscheiden. Auch eine Nichtentscheidung ist eine Entscheidung. Nämlich die, sich von anderen bestimmen zu lassen. Wenn wir uns dagegen für uns und unsere Bedürfnisse entscheiden, wenn wir uns dagegen dafür entscheiden, selbst-verantwortlich sein zu wollen, dafür zu sorgen, dass sich unsere Bedürfnisse erfüllen, dann übernehmen wir auch die Verantwortung für den Preis, den wir dafür zahlen werden. Denn: alles hat nun mal seinen Preis. Fragt sich bloss, wie viel wir bereit sind, zu zahlen. Diese Frage kann nur jeder für sich selbst immer wieder klären. 

Nicht jede Entscheidung ist eine kluge Entscheidung. Dies stellt sich meist erst im Nachhinein heraus. Der Punkt ist jedoch, dass wir dann daraus lernen. Und dann wieder eine weitere Entscheidung treffen. 

Wenn wir nicht selbst die Regie unseres (Er-)Lebens übernehmen und dafür auch gerade stehen wollen, dann tun es andere für uns. Dann dürfen wir uns aber auch nicht wundern, ärgern oder meckern, wenn unser (Er-)Leben nicht so verläuft, wie wir es "eigentlich" gerne hätten. 
Oder läuft vielleicht gerade dann alles so, wie wir unbewusst glauben, dass wir unser (Er-)Leben in eben dieser Weise "verdient" hätten?

Eine immer wieder spannende Frage!

In: Lebensstil 


Tags: lebensstil grundbedürfnisse 

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