Flügel sind zum Fliegen da!

Gepostet von Barbara Spring am Freitag, Oktober 14, 2016 Unter: Selbstvertrauen

Hier geht's zum gleichnamigen Videoblog: https://youtu.be/vw5W71deds4

Dazu eine Geschichte Vom Adler, der vergass, dass er ein Adler war»

Ein Mann ging in den Wald. Er wollte einen Vogel fangen, den er mit nach Hause nehmen konnte. Er fing einen jungen Adler, brachte ihn heim und steckte ihn in den Hühnerhof zu den Hennen, Enten und Truthühnern. Und er gab ihm Hühnerfutter zu fressen, obwohl er ein Adler war, der König der Vögel.

Nach fünf Jahren erhielt er Besuch eines naturkundigen Mannes. Und als sie miteinander durch den Garten gingen, sagte dieser: „Dieser Vogel dort ist kein Huhn, er ist ein Adler!“ „Ja“, sagte der Mann, „das stimmt. Aber ich habe ihn zu einem Huhn erzogen. Er ist jetzt kein Adler mehr, sondern ein Huhn, auch wenn seine Flügel 3 Meter breit sind.“ „Nein“, sagte der andere. „Er ist immer noch ein Adler, denn er hat das Herz eines Adlers. Und das wird ihn hoch hinauffliegen lassen in die Lüfte.“ „Nein, nein“ sagte der Mann, „er ist jetzt ein richtiges Huhn und wird niemals fliegen.“

Darauf beschlossen sie, eine Probe zu machen. Der naturkundige Mann nahm den Adler, hob ihn in die Höhe und sagte beschwörend: „Der du ein Adler bist, der du dem Himmel gehörst und nicht dieser Erde: Breite deine Schwingen aus und fliege!“ Der Adler sass auf der hochgestreckten Faust und blickte um sich. Hinter sich sah er die Hühner nach ihren Körnern picken, und er sprang zu ihnen hinunter. Der Mann sagte: „Ich habe dir gesagt, er ist ein Huhn.“ „Nein“ sagte der andere, „er ist ein Adler. Versuche es morgen noch einmal.“

Am anderen Tag stieg er mit dem Adler auf das Dach des Hauses, hob ihn empor und sagte: „Adler, der du ein Adler bist, breite deine Schwingen aus und fliege.“ Aber als der Adler wieder die scharrenden Hühner im Hof erblickte, sprang er abermals zu ihnen hinunter und scharrte mit ihnen. Da sagte der Mann wieder: „Ich habe dir gesagt, er ist ein Huhn.“ „Nein“ sagte der andere, “er ist ein Adler, und er hat immer noch das Herz eines Adlers. Lass es uns noch ein einziges Mal versuchen; morgen werde ich ihn fliegen lassen.“

Am nächsten Morgen erhob er sich früh, nahm den Adler und brachte ihn hinaus aus der Stadt, weit weg von den Häusern an den Fuss eines hohen Berges. Die Sonne stieg gerade auf, sie vergoldete den Gipfel des Berges, jede Zinne erstrahlte in der Freude eines wundervollen Morgens. Er hob den Adler hoch und sagte zu ihm: „Adler, du bist ein Adler. Du gehörst dem Himmel und nicht dieser Erde. Breite deine Schwingen aus und fliege.“ Der Adler blickte umher, zitterte, als erfülle ihn neues Leben. Aber er flog nicht. Da liess ihn der naturkundige Mann direkt in die Sonne schauen. Und plötzlich breitete er seine gewaltigen Flügel aus, er hob sich mit dem Schrei eines Adlers, flog höher und höher und kehrte nie wieder zurück.
(Quellle: James Aggrey,1875-1927 in Anamabu in der Goldküste, dem heutigen Ghanaa geboren)

Gewöhnung und Entmutigung
Im übertragenen Sinn können wir sagen, dass es dem Adler gleich erging wie einem Kind in den ersten Lebensjahren. Das Umfeld, primär unsere Eltern/Erzieher nehmen die Rolle des Trainers ein. Sie wollen uns im besten Wissen auf das uns bevorstehende Leben vorbereiten. «Wir wollen, dass es unserem Kind einmal leichter fällt»; «unser Kind soll Kind sein dürfen und so sind wir bestrebt ihm während der ersten Lebensjahre alle Hindernisse möglichst aus dem Weg zu räumen». Ein grundsätzlich schöner Gedanke; doch was lernt das Kind dann womöglich, wenn es selber nie Hürden überwinden muss, wenn ihm alles geebnet wird? Es traut sich womöglich viel zu wenig zu. Dieses Kind glaubt nicht genug an sich. Vielleicht kommt dieses Kind sogar zum Schluss, dass mit ihm womöglich etwas nicht stimmt, es nicht gut genug ist.

Das Kleinkind ist wie ein trockener Schwamm; es saugt alle Erlebnisse ins ich auf ohne die Möglichkeit auf «Wahrheit» überprüfen zu können. Wie bereits in anderen Blogs beschrieben ist es dem menschlichen Gehirn bis ca. zum 6. Lebensjahr nicht möglich, auf Logik und Zusammenhänge prüfen zu können. Was das Kleinkind erlebt IST so. Punkt. Das primäre Umfeld (Familie) ist für das Kleinkind der zentrale Trainingsort um Meinungen, Ideen, Werte zu entwickeln. Alles, was das Kleinkind sieht, hört, erlebt ist wahr.  

Und so «gestalten» wir uns unser ganz persönliches Bild von uns selbst. Unser Selbstbild entsteht. Wir lernen wie Männern, Frauen, Fremde «sind». Wie das Leben «ist». Wir «kopieren» unser Umfeld. «Ganz die Mutter / ganz der Vater!» Hören wir dann hin und wieder…

Eigene «Realitäten»
So, und nun wachsen wir womöglich im Glauben auf, ein «Huhn» zu sein, obwohl wir als «Adler» geboren worden sind… wir stellen diese unbewusste Grundüberzeugung mit der Zeit nicht mehr in Frage. Es ist einfach so. Wir kommen überhaupt nicht erst auf die Idee unser Potenzial voll zu entwickeln. Wir nehmen’s wie’s ist… Das Leben ist nun mal so…

Doch es gibt Momente, da spüren wir… hmmm… irgendwie ist da noch etwas anderes, das fühlt sich an, als sei da noch mehr… irgendwie sind wir einfach anders – da und dort… doch das Verlassen der eigenen Komfortzone, den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus schweifen zu lassen, lässt uns erschaudern. Wir trauen uns keine Veränderung zu. Wir trauen uns nicht zu «fliegen» zu können. Wir bleiben in unserer gewohnten Umgebung; aus innerer Entmutigung; aus vermeidlichem ‘Mangel’ an SelbstVerTrauen; denn der Preis einer Veränderung scheint uns (noch) viel zu hoch. Wir trauen uns nicht zu «fliegen» zu können; wir vertrauen unseren Flügeln nicht, dass sie stark genug sind, uns tragen zu können; wir trauen uns nicht zu, fliegen zu können.  

 Ein Vogel, der auf einem Ast sitzt hat keine Ahnung, ob ihn der Ast tragen kann oder nicht.
Er macht sich (vermutlich) niemals Gedanken, ob der Ast brechen könnte oder nicht.
Der Vogel vertraut ganz einfach auf seine Flügel!

 Wir alle sind mit «Flügeln» geboren worden.

Tun und sein was erwartet wird
Den Normen, Erwartungen, Ansprüchen entsprechen (müssen). Gefallen wollen. Dem «Frieden» zuliebe. Eine ScheinHarmonie aufrecht erhalten. Nur wenn wir uns so verhalten, so sind wie es von den anderen erwartet wird, wie es «normal» ist, dürfen wir in der Gemeinschaft dazu gehören, sind wir lieb und gut genug. 

Wir dürfen die SpielRegeln, die für uns seit jeher gelten immer wieder hinterfragen. Nicht alles, was wir für wahr halten ist auch wahr. Manchmal sind die Dinge anders als sie uns bislang erschienen sind. Es tut gut, sich selbst und die eigene Sicht- und Handlungsweise immer wieder hinterfragen wollen. Es kann auch ganz anders sein – und auch richtig sein. Was sich immer wieder stellt ist diese Preisfrage. Welchen Preis sind wir bereit zu zahlen? Alles, wirklich alles hat einen Preis. Die Entscheidung ob «kaufen» oder «nicht kaufen» liegt wiederum beim Einzelnen.

Der Adler wird flügge
Veränderung tut gut. Ohne Veränderung tut sich nichts. Wir selbst sind immer wieder dazu eingeladen, diese Veränderungen in unser Leben zu bringen. Und das müssen bei weitem nicht bahnbrechende Veränderungen sein. Wie wär’s einmal einen anderen Arbeitsweg zu testen? An einem anderen Tag als üblich einkaufen zu gehen; in einem anderen Geschäft einkaufen zu gehen, mit dem anderen Bein als gewohnt aus dem Bett oder in die Jeans zu steigen, mit der anderen Hand als gewohnt die Wasserflasche halten und sich das Glas füllen… Veränderung kann auch bedeuten, seine Meinung zu sagen und mutig dazu zu stehen.

Mutig zu sich stehen wollen. Sich selbst vertrauen wollen. An sich selbst, seine Fähigkeiten, an sein Können glauben wollen. Alles was wir benötigen, ist uns mitgegeben worden. Alles was wir benötigen ist in uns. Wecken wir doch unsere ErMUTIGung immer wieder auf und «fliegen» los. Es geht darum, immer wieder mutig Neues wagen, Neues zu lernen. Sich selbst auch immer wieder neu kennen zu lernen.

 „Wenn der Wind der Veränderung bläst, 
bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen“ 
(Laotse)

 Sicher, manchmal kann Veränderung ganz doll Angst auslösen. Angst «es» nicht zu können, zu scheitern u.ä. Angst per se ist auch nichts Schlechtes. Sie lässt uns wichtige Fragen stellen und klären. «Will ich das wirklich? Welchen Preis bin ich bereit zu zahlen?». Angst lässt uns einen «Eco-Check» durchführen. Dann entscheiden wir. Und es lohnt sich immer wieder diese Angst ganz bewusst und mutig zu überwinden. Sich selbst dazu zu überwinden sich weiterentwickeln zu wollen. Immer wieder vom vermeidlichen «Huhn» zum eigentlichen «Adler» zu werden; den eigenen «Flügeln» vertrauen zu wollen!

Wenn wir unsere Flügel ausbreiten, uns vom Boden abstossen, spüren dass wir uns selber tragen und steuern können… das ist ErMUTIGung pur!

So werden wir «flügge». So heben wir ab und tauchen in unser Element ein; kräftige Flügelschläge bringen uns höher, weiter. Wir lernen mit der Thermik umzugehen, uns «tragen» zu lassen. Durch das Vertrauen das wir in uns haben. Und durch die Gemeinschaft. Sie trägt. Sie gibt «Rückendeckung».

Natürlich «muss» sich niemand verändern. Wir alle haben immer wieder die Wahl; jede/r entscheidet für sich. Solange wir uns in unserem Federkleid wohl fühlen, so wie wir sind, da wo wir leben, wie wir leben ist’s ok. Doch wenn sich immer wieder dieselben unerfüllten Bedürfnisse melden, wenn immer wieder dieselben Sehnsüchte hochkommen, ist es Zeit diesen deutlich mehr Beachtung zu schenken. So sehe ich es jedenfalls.

 

Der Adler in unserer Geschichte hat Hilfe bekommen. Quasi eine «Starthilfe». Ja er hat verschiedene Arten von Hilfe erfahren. Einerseits ist er behütet und umsorgt gross geworden. Man hat es mit ihm stets gut gemeint. In dieser Zeit konnte er unbeschwert aufwachsen. Doch sein SelbstverTrauen ist irgendwie auch auf der Stecke geblieben.

Die andere Art Hilfe stellt sich als «Fluglehrer», Coach, Mentor dar. Beide, «Alder» und «Fluglehrer» üben solange, bis der Adler weiss, wie er seine Flügel benutzen kann. Der «Fluglehrer» hat an den «Adler» geglaubt. Auch das ist so etwas Wunderschönes; Menschen die an uns glauben. Und noch viel wichtiger: dass wir an uns selbst glauben; dass wir an unsere Fähigkeiten, an unsere «Flügel» glauben. Der Adler entscheidet selber, ob er fliegen will; wie hoch er fliegen will; ob er zurückkommen will…

Wir dürfen Hilfe annehmen. Wir müssen nicht alles alleine können. Bei weitem nicht.

ErMUTIGung. SelbsterMUTIGung. ErMUTIGung bedeutet: mehr Mut.
Sich dazu erMUTIGen sich selbst sein zu wollen. Mit allem was dazu gehört. Authentizität. Einzigartig.

Flügel sind zum Fliegen da!

In: Selbstvertrauen 


Tags: selbstvertrauen 

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