Frustessen - wenn die Seele hungert

Gepostet von Barbara Spring am Sonntag, April 23, 2017 Unter: Gewohnheiten ändern
catch and snack it - Video-ErMUTIGungsSnack 
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«
Die alten Gewohnheiten sollte man nicht auf einmal aus dem Fenster werfen, 
sondern wie einen netten Gast höflich bis zur Haustür begleiten»
(Peseschian)


Wenn der Bauch satt ist und trotzdem die Lust aufs Essen da ist, sollten wir uns anstelle Schokolade oder Chips zu futtern, die Frage stellen:
«Was kompensiere ich mit meinem Essverhalten?»


Quelle: If you change nothing - napkin concept_Fotolia_© Marek_136943592_XS

Kluger Rat, Notvorrat
Eine kurze Geschichte zum Einstieg: als ich Teenager war hatte ich in meinem Nachttisch immer zwei Tüten Kartoffelchips auf Lager. Ganz nach dem Motto: „man weiss ja nie, wann wieder Trost gefragt ist!“ Und so kam es dann, dass wenn ich mich frustriert, nicht verstanden, ungeliebt etc. fühlte, ich mich über eine Tüte Kartoffelchips hermachte und erst stoppte als sie leer gefressen war. Die zweite Tüte liess ich stets „in Ruhe“… denn wieder ein Motto: „kluger Rat, Notvorrat!“

Nach dieser Fressaktion fühlte ich mich noch einen Augenblick ganz passabel… bis ich mir dann selbst Vorwürfe machte und in den Modus „schlechtes Gewissen“ eintauchte. Ich frage mich dann jeweils, warum ich wieder schwach geworden bin… eigentlich wollte ich doch gar nicht… aber…

Wenn Bedürfnisse wiederholt unerfüllt bleiben…
… die Seele nicht satt ist… wird die Lücke bei manchen Menschen mit Essen zu füllen versucht.
Trost muss her – sofort!  Einige futtern zuckerhaltige andere fetthaltige „Lebensmittel“. Also… von LEBENSmitteln ist vermutlich weniger die Rede. Vielmehr sind es in diesem Augenblick ÜberLebensMittel. Trostpflaster für die Seele. Essbare Seelenwärmer, essbare Drückis.

Es ist ein Kompensationsverhalten; doch was wird kompensiert?

Wir futtern solange, bis der Körper die Mitteilung macht: „hei… jetzt geht’s wieder besser!“ danach fühlen wir uns vielleicht! noch einen Augenblick gut. Doch bald, sehr bald meldet sich eine Stimme in uns die uns arge Vorwürfe macht und dafür sorgt, dass wir uns vor uns selbst schuldig fühlen.

Bedürfnisse können sein: Geborgenheit, Wärme, Nähe, Akzeptanz, geliebt zu sein, Vertrauen, Unabhängigkeit, Bewegungsfreiheit, Entscheidungsfreiheit, Unterstützung, Selbstbestimmung, Durchsetzungsfähigkeit, wichtig sein/Bedeutung haben, Standhaftigkeit, Sexualität, Denk-/Redefreiheit, Bildung, Rücksichtnahme, Schutz, Verbindlichkeit, Hilfe, wahrgenommen werden, Gemeinschaft, Gleichwertigkeit… um nur einige zu nennen.

Sobald GrundBedürfnisse regelmässig nicht erfüllt werden, ergreift unser Unterbewusstsein zu Gegenmassnahmen. Manche haben auch früh gelernt ihre Emotionen „zu schlucken“. Wut, Angst, Aggression, Liebe, Frust, Enttäuschung, Hilflosigkeit, MinderWERTigkeitsgefühle, Verlustängste... runterschlucken! Dabei kann die Handlung des Essens zentral werden. 

Wir alle wollen beachtet werden, haben eine tiefe Sehnsucht nach Nähe, Liebe, Geborgenheit. Wir alle wünschen uns Aufmerksamkeit. Dabei geht es bei weitem nicht nur um die BeACHTUNG / Aufmerksamkeit durch andere; es geht vor allem um die BeAchtung vor sich selbst! SelbstBeAchtug, SelbstAchtung. Da schliessen manche den inneren Pakt: „Lieber negative Beachtung als überhaupt keine (Be)-Achtung“. 

Essen als vorübergehendes „Troubleshooting“:

  • bei Problemen mit sich selbst
  • wenn’s in der Partnerschaft nicht rund läuft
  • wenn wir uns grundsätzlich unerfüllt fühlen
  • nach einem schlimmen Ereignis, Unfall, Verlust
  • bei Geldsorgen
  • bei Langeweile als Zeitvertreib
  • bei Überlastung als einen Weg sich zu entspannen, quasi ein «Beruhigungsmittel"
  • Gruppendynamik – im Büro, bei gesellschaftlichen Anlässen
  • um Nervosität zu bekämpfen, sich abzulenken
  • bei Unsicherheiten
  • bei fehlender Aufmerksamkeit
  • vor dem Fernseher
  • unter Lerndruck
  • Stress, Druck – beflügelnd oder flügellahm – jede/r reagiert auf seine Weise.

Es sind bewährte Vorgehensweisen, Strategien bestätigt durch die Erfahrungen aus der eigenen frühen Kindheit. In der Individualpsychologie sprechen wir von Lebensstil.Es gibt tausend Gründe warum wir essen (oder auch nicht essen – doch das ist nicht das Thema dieses Blogs).

Wie sehen Sie sich?
Was haben Sie von sich für eine SelbstWAHRnehmung? Wie „müssen“ Sie sein, damit Sie mit sich zufrieden sein können? Gefällt Ihnen Ihr Körper? Was haben Sie für ein Körperbild und Körpergefühl – wie hat Ihr Körper auszusehen, wie hat er sich anzufühlen? Mit wem oder was verGLEICHen Sie sich? Wenn Sie sich schon verGLEICHen; ist es wenigstens ein realistischer, erstrebenswerter VerGLEICH? Im Sinne: das will ich auch schaffen, weil ich es kann und will. Wenn nicht... stoppen Sie sofort damit! 

Gewohnheiten laaaangsam verändern
Wie der Spruch ganz zu Beginn so schön sagt; es geh darum, die Gewohnheiten langsam zu verändern. Starten Sie doch damit, sich Ihrer Essgewohnheiten ganz konkret bewusst zu werden. Schreiben Sie's auf... führen Sie z.B. ein Esstagebuch. 

  • Wann esse ich und was?
  • Wieviel? 
  • Wie schnell?
  • Wo esse ich?
  • Wer ist dabei?

Das Erkennen von limitierenden Glaubenssätzen und Triggern ist ein weiterer wichtiger Punkt. Wenn Sie realisieren, was Sie zum Essen «motiviert» nehmen Sie das Steuer (wieder) selbst in die Hand und bestimmen die Richtung. Sonst tut’s Ihr Unterbewusstsein. Und dann bleiben Sie im bisherigen Verhalten.  
In welchen (Lebens-)Situationen zieht es Sie zum Essen hin? Welcher Gedanke geht Ihnen dann durch den Kopf?

  • Ich muss es immer allen recht machen
  • Ich darf nie Nein sagen
  • Ich bin immer für alles / alle verantwortlich
  • Ich bin nicht gut genug
  • Immer ich muss...
  • Für mich ist nie jemand da
  • Ich bin …

Innehalten - bewusst innehalten. Sagen Sie sich laut «Stopp!» Tu’ das Unerwartete (etwas, das Ihr Unterbewusstsein noch nicht kennt) und bringen Sie sich so in eine neue Ausgangslage. Sobald Sie etwas Neues tun, schalten Sie Ihren inneren Autopiloten (das Unterbewusstsein) aus und kommen in bewusstes Denken und somit schlussendlich auch in bewusstes Handeln.

Schlussendlich geht es darum, neue Gewohnheiten zu üben. Wie bei allem, was wir noch nicht können, es jedoch lernen wollen – es geht um’s Üben. Stecken Sie sich dabei realistische Etappenziele. Lassen Sie den Perfektionismus links liegen. Auch das VerGLEICHen und BeWERTen hat keinen Platz.

Visualisieren Sie Ihr ganz persönliches Etappenziel immer und immer wieder. Schreiben Sie dieses Ziel auf und schreiben Sie zusätzlich zwei positive Ergebnisse dazu auf. Was ist dann, wenn Sie dieses Etappenziel erreicht haben?

Auf Ihrem Weg gehören auch Tage dazu, wo’s nicht so klappt. Seien Sie nachsichtig mit sich, gehen Sie dann wohlwollend mit sich um. Das gehört dazu, das ist ok.

Essen Sie bewusst (inkl. der Zubereitung). Essen Sie Lebensmittel, die Ihnen Freude machen – schon beim Einkaufen, dann bei der Zubereitung und auch auf dem Teller. Nehmen Sie sich Zeit… zum Zubereiten und zum essen. Und tun Sie derweil nichts anderes. Keine Zeitung lesen oder Kreuzworträtsel lösen… Wenn Sie essen, dann essen Sie.

Verbote lösen meist das Gegenteil vom Erwünschten aus. «Rasen nicht betreten»… und was geschieht? Schaffen Sie besser Alternativen. Seien Sie dabei ruhig kreativ. Was könnte anstelle des Verbotes treten?
Auch darf "Sündigen" hin und wieder erlaubt sein. Bestrafung löst nur wieder inneren Druck aus.

Trainieren Sie die Achtsamkeit mit sich selbst. Tun Sie mehr von jenen Dingen, die Ihnen gut tun. Gehen Sie wohlwollend mit sich selbst um und machen Sie sich selbst auch immer wieder Komplimente!

Fragen die Sie sich stellen können:

  • Wenn mein Leben so kurz ist, warum mache ich dann so viele Dinge, die mir nicht gefallen, während ich meine wahren Wünsche vor mir herschiebe?
  • Wenn Glück eine Währung wäre, welcher Sache würde ich mich widmen, um mich reich zu machen?
  • Seit wann kenne ich dieses Essverhalten bei mir? Was hat sich verändert/was ist passiert?
  • Wann essen ich und was?
  • In welchen (Lebens-)Situationen zieht es mich zum Essen hin?
  • Wieviel?
  • Wie schnell?
  • Wo esse ich?
  • Die Körpersprache – was sagt mir mein Körper? Kann ich fühlen, wann ich wirklich Hunger habe?
  • Was denke ich (über mich) bevor ich esse?
  • Was denke ich (über mich) während ich esse?
  • Was denke ich (über mich) danach?
  • Was fühle ich im Moment bevor ich esse und was, währenddem und danach?
  • Benennen Sie diese Gefühle ganz konkret
  • Wie verändert sich mein Denken, meine Gefühlslage, mein Körpergefühl, wenn ich esse?
  • Was, abgesehen von Essen würde mir in dieser Situation auch gut tun?
  • Was hatte ich als Kind für „Essensvorbilder“?
  • Was könnte ein Schritt hin zu einer Veränderung sein? Was kann ich mir vorstellen? Wozu bin ich bereit?
  • Was hat bereits ganz gut funktioniert und was nicht?

Wie so vieles im Leben können wir unsere (Ess-)Gewohnheiten - die wie wir jetzt wissen - sehr eng mit unseren Grundüberzeugungen, unserem Unterbewusstsein verknüpft sind, nicht von heute auf morgen ändern. Doch Schritt für Schritt kommen Sie Ihrem Ziel näher. Es bedarf der Übung und neuer DenkGewohnheiten. Und des Willens dazu. 

Das menschliche Gehirn ist ein Muskel, der (um)-trainiert werden kann. Wir sind in der Lage, neue Denkpfade anzulegen - durch Übung - bis sie sich fest verankert haben und dadurch eine neue positive, erMUTIGende Gewohnheit wird. Stellen Sie auch darauf ein, dass es manchmal einen Schritt zurück braucht, um zwei nach vorne gehen zu können. Ganz nach dem Motto: "Steter Tropfen höhlt den Stein" oder auch: "Wer nicht nachlässt gewinnt". 


In: Gewohnheiten ändern 


Tags: "frustessen - wenn die seele hungert" 

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Ich freue mich auf Rückmeldungen und darauf, Sie kennen zu lernen!

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