Keine Rückmeldung = gute Rückmeldung - von wegen!

Gepostet von Barbara Spring am Sonntag, August 30, 2015 Unter: Selbstvertrauen
Wenn ich nichts sage, dann ist's ok - wie fehlende Wertschätzung als Burnout-Beschleuniger wirken kann

Déjà-vu - Bekanntes wiederholt sich
Diese Begebenheit nimmt ihren Anfang im Juli 2003 als eine ambitionierte Frau, nennen wir sie Barbara, in einem grossen Unternehmen ihre Arbeit aufnahm. Von Anfang an kniete sich Barbara mit vollem Elan in ihre neue Arbeit. Die eMails konnten nachhause umgeleitet werden, was Barbara zu diesem Zeitpunkt sehr gelegen kam. So arbeitete sie im Büro von 07.00 – 18.00 und zuhause nochmals bis tief in die Nacht hinein. Für Barbara war die Welt in Ordnung.

Mit ihrer Anstellung übernahm sie u.a. die Projektleitung eines Grossprojekts. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie noch nie eine derartige Aufgabe inne. Barbara war stolz, dass gerade ihr diese Aufgabe übertragen worden war. Da sie bisher noch keine Projektleitererfahrung hatte sammeln können, verliess sie sich zu Beginn auf ihre Stärken und Talente. Organisieren, Planen, Delegieren - das sind zum Glück alles Dinge, die Barbara super kann. Ressourcen im Sinne von zusätzlicher Man-/Womanpower hatte sie keine zur Verfügung. Sie war ein "Einfrauunternehmen im Unternehmen". Zusätzlich zu den täglichen Aufgaben im Betrieb absolvierte sie die Ausbildung zur Projektleiterin. Im Jahr danach folge eine auf ihre Arbeit spezialisierte Ausbildung und noch ein Jahr später hängte sie noch die Eidgenössische Ausbildung an. Es war eine anstrengende Zeit...aber sie konnte ja aoch noch von zuhause aus arbeiten - welch ein Glück! Barbara war rund um die Uhr erreichbar! Alles ok. Barbara's Lebensstilsatz: "Ich werde gebraucht!" Hurra!

In der Einführungsphase des Projekts schulte sie alleine in kurzer Zeit an die 3000 Mitarbeitende und kam mehr und mehr an ihre Belastungs- und Leistungsgrenze. Oft wurde sie von Schulungsteilnehmenden angegriffen, denn die wollten nicht nach den neuen Vorgaben und Gesetzmässigkeiten arbeiten. Mehr und mehr konnte sie die verbalen Attacken nicht mehr von ihrer eigenen Person trennen. Barbara stellte sich und ihre Arbeit in Frage, begann zu rechtfertigen wo es nichts zu rechtfertigen gab. Sie setzte doch bloss die Gesetzesvorgaben um! Hilflosigkeit und Frust machten sich in ihr breit. Sie wurde emotional und auch körperlich müde. Ihr Vorgesetzter lachte, als sie ihn um Unterstützung bat…das sei halt normal und auszuhalten. Die Freude an der Arbeit, das war einmal. Zunehmend wurden die Tage schwierig. Barbara gelang Vieles nicht mehr so, wie sie es von sich gewohnt war. Vom Vorgesetzten kam nie eine Wertschätzung, nie ein Dankeschön, nie ein „das hast du gut umgesetzt“…
Der Chef ging nach dem Motto: "keine Rückmeldung - gute Rückmeldung". Und wenn dann eine Rückmeldung kam, dann eine Negative. 
Am Ende des Projekts war Barbara am Ende ihrer Kräfte. Die viele Überzeit wurde nicht zur Kompensation freigegeben sondern ausbezahlt. Dies hatte zur Folge, dass sie dieses Geld selbstverständlich auch versteuern musste. Sie fühlte sich doppelt unverstanden, ausgenutzt, unfair behandelt. Ihr damaliger Leitsatz tauchte immer öfter auf: "ich ziehe anderen den Karren aus dem Dreck...und kann dann abhauen - der Lööli hat seine Schuldigkeit getan, der Lööli kann gehen". Barbara würgte sich regelrecht durch die Wochen und es ging ir zusehends schlechter. Sie hatte keine Energie ihrem beruflichen (Er-)Leben eine Wende zu geben. 

Das letzte Kapitel
Dann: Chefwechsel. Ein junger, dynamischer Vorgesetzter wurde eingesetzt. Mehr und mehr nahm er Barbara die Aufgaben weg und gab ihr keine neuen Verantwortlichkeiten. Informationen schwappten an ihr vorbei, Sitzungen wurden ohne sie durchgeführt, hinter ihrem Rücken wurde über ihre Fachkompetenz getuschelt (und netterweise hatte Barbara Zuträger, die ihr die neusten Klatsch- und Tratschgeschichten brühwarm zu erzählen wussten). Für sie war klar: „ich bin hier nicht (mehr) erwünscht“. Entmutigung auf der ganzen Linie.

So begann, wen wunderts, auch Barbara's Beziehung und Privatleben darunter zu leiden. Oft war sie mürrisch, abwesend, traurig und sehr negativ. Frust machte sich breit. die Kommunikation, die Gemeinsamkeiten mit und zu ihrem Partner schwanden. Mehr und mehr ging jeder seinen eigenen Weg. Beide spürten sie, dass diese Entwicklung für ihre Partnerschaft überhaupt nicht gut war. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie (noch) keine Idee wie das Steuer herumgerissen werden konnte.

Alles aus - ich kann nicht mehr!
Sommer 2008 - endlich lange Ferien, dachte Barbara. Doch sie wurde in den Betrieb beordert. Es war an einem Freitag. Um 14.00 hatte sich Barbara im Büro des Chefs zu melden. Dieser schmiss ihr mit grösster Selbstverständlichkeit an den Kopf: "du wirst hier nicht mehr gebraucht - hiermit bist du gekündigt". Wum! Barbara sass da...obwohl sie sowas in der Art erwartet hatte... lief es ihr eiskalt und feurig heiss zugleich über den Rücken. Es fühlte sich an, als ob ihr der boden unter den Füssen weggezogen würde. Barbara bekam noch mit, wie der Chef sagte, sie müsste nicht mehr ins Büro kommen. Höchstens noch um ihre persönlichen Sachen zu holen. Sie sei freigestellt. Dann verabschiedete sich der Chef... er hätte jetzt eine weitere Besprechung. Barbara's Welt war aus den Fugen geraten. All die Jahre hatte sie alles, wirklich alles gegeben. Sie setzte ein schwieriges Projekt mehr oder weniger im Alleingang erfolgreich um. Und keinen interessierte das! Das konnte doch nicht wahr sein! Ihre Hoffnung endlich gesehen, gewertschätzt zu werden...nur Schall und Rauch. Sie fragte sich: "was habe ich falsch gemach?!" "warum lassen die mich jetzt wie eine heisse Kartoffel fallen?!"

Neuorientierung über alle Lebensbereiche

Die folgende Zeit ohne Job war schlimm. Wieder kam ein Lebensstil-Satz in ihr hoch: „ich bin zu nichts zu gebrauchen“. So stand Barbara eines Tages auf ihrer Lieblingsbrücke. Sie überlegte zu springen. Allem einfach ein Ende zu machen. Doch dann wurde ihr klar, dass sie ihr Leben liebte, dass es andere Menschen gab, die sie liebte, dass es immer wieder Lösungen und neue Wege gegeben hatte. Das sollte diesmal nicht anders sein! Sie blieb noch lange auf der Brücke, schaute ins Wasser und beschloss, ihr Leben wieder in die eigenen Hände zu nehmen. 
Schlussendlich war Barbara sechs Monate arbeitslos. Das war gut so, denn sie brauchte diese Zeit um zu neuen Kräften zu kommen, um selber weiter zu kommen. Im Februar darauf trat sie eine neue, tolle Stelle an. In ihrem Metier, als ausgewiesene Expertin. Der neue Betrieb hiess Barbara herzlich willkommen.


Schwierigkeiten, die Menschen haben, die keine oder zu geringe Wertschätzung - seit Kindheit - erfahren. Ein Praxisbericht

In meiner Praxis berate und begleite ich u.a. Menschen, die in ihrem täglichen (Er-)Leben ob privat oder bei der Arbeit keine oder kaum Wertschätzung erfahren. Menschen die glauben, dass sie immer alles geben müssten um von anderen vielleicht irgendwann mal Anerkennung zu bekommen. es geht oft um die Thematik "ich bin nicht gut genug", "ich muss machen, was andere von mir verlangen, sonst...", "zuerst die Arbeit und dann das Vergüngen", "wer rastet, der rostet" etc. Leider gilt Wertschätzung auch heute noch oft als Lob und Lob stinkt ja bekanntlich. Lob wirkt überheblich, arrogant, unangebracht. Wenn jemand etwas gut macht, braucht das nicht auch noch erwähnt zu werden. Diese und ähnliche Aussagen höre ich immer wieder. Über alle Jahrgänge hinweg.

Wenn die Menschen bei mir in der Praxis zum ersten Mal hören, dass sie so wie sie sind, gut genug sind, wird dies regelmässig dementiert. Für den Einzelnen plausible Erklärungen und eigene Praxisbeispiele sollen den entsprechenden "Beweis" erbringen. Mit dem Begriff ErMUTIGung können die KlientInnen zu Beginn noch nicht viel anfangen. So gestaltet sich die erste Phase der Beratungsarbeit oft aus einer "Rundumermutigung". Erkennen und Annehmen von Stärken, Fähigkeiten und vor allem, sich selbst als gut genug annehmen zu lernen. Das ist für viele eine ganz schöne Herausforderung!

Verstehen lernen
Immer wieder höre ich, dass die KlientInnen nicht daran glauben, die einmal in der frühen Kindheit gemachten Erfahrungen überhaupt abrufen und diese dann auch noch verändern zu können. Unmöglich! Die Kindheitserfahrungen an sich können in der Tat nicht verändert werden. Jedoch was der Klient, die Klientin im aktuellen (Er-)Leben daraus macht, da kann einiges verändert werden.


"Jeder Mensch kann alles, solange er sich selbst keine Grenzen setzt"
(Alfred Adler 1870 - 1937)

"Nicht die Dinge selbst beunruhigen den Menschen, sondern die Vorstellungen, 
die er sich von den Dingen macht"

(Epiktet 50-138 n.Chr.) 

"Nicht die Erlebnisse diktieren unsere Handlungsweisen, sondern die Schlussfolgerungen, 
die wir aus diesen Erlebnissen ziehen"
 

 (Alfred Adler 1870 – 1937) 


Die KlientInnen sind aktiv bei der SelbstArbeit dabei, machen mit, erzählen von ihren frühkindlichen Erlebnissen; beginnen zu verstehen wie sehr diese Zeit für ihr späteres (Er-)Leben prägend war – und dass sie selbst es sind, die die gewünschte Veränderung herbeiführen können. Und jetzt begreifen sie, dass sie sich bisher selber abwertend begegnet sind, sich mit anderen verglichen haben und glaubten, sie seien „es“ nicht wert, geliebt zu werden. Wenn dieser Augenblick da ist, gehen in den Gesichtern Sonnen auf. Die ErMUTIGung wird im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar. Ein – für beide Seiten - wunderschöner Augenblick!

Und immer wieder der zentrale Satz: "Ich bin gut genug so, wie ich bin! Ich gebe mein Bestes und das ist gut genug!"

Es sind Menschen wie Sie und ich. Oft könnte man auf den ersten Blick denken: "wow - diese Person hat sich und ihr (Er-)Leben fest im Griff". Doch beim zweiten Hinschauen wird meist deutlich, dass das Selbstwertgefühl an einem kleinen Ort haust. Der Blickkontakt wird abgebrochen, der Händedruck zu lasch oder viel zu stark. Diese Menschen definieren sich ausschliesslich über Leistung. Da ist der scheue, arbeitsame, nie meckernde Charakter genauso vertreten wie regelrechte Wirbelwinde. 

Allen gemeinsam ist, dass sie seit frühester Kindheit erfuhren, dass sie nur dann "lieb" waren und gewertschätzt wurden, wenn sie sich den Vorstellungen, der gängigen Normen der anderen entsprechend verhielten. Sonst gab's keine Rückmeldungen oder eben dann: Schelte, Strafen - zum Teil erhebliche Strafen - körperliche und emotionale Strafen. Einige machten psychologische Traumata durch. Da wundert's nicht, wenn sich diese Menschen alles abverlangen, um nicht "bestraft, abgestraft" zu werden.

Und auch allen gemeinsam ist, dass sie sich nicht (zu-)trauen, sich mitzuteilen. Sie versuchen ihre belastenden Erlebnisse alleine hinzukriegen und geraten dadurch noch mehr in den Strudel der Entmutigung. Sie fühlen sich nur noch mehr alleine und dem Schicksal überlassen. Auch wenn es zu Beginn noch so schwer fällt gilt: raus aus der Höhle... sich Hilfe und Unterstützung holen, sich mit positiven Menschen umgeben, an Orte gehen, die Kraft verleihen, sich mitteilen und austauschen und dadurch andere Möglichkeiten kennen lernen. Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht das Gefühl der Gemeinschaft und des Getragenseins.

„Ich bin gut genug!“
Ich kann der Aussage - ja es ist für mich schon wie ein Mantra - nicht genug Beachtung und Bedeutung schenken: „Ich bin gut genug so, wie ich bin! Ich gebe mein Bestes und das ist gut genug!“ – Und: ich habe immer die Freiheit und Möglichkeit, sofern ich das will, an mir zu arbeiten. Ich entscheide, wie ich mein Leben (er-)leben will resp. was ich aus dem Erlebten machen will.“

Damit meine KlientInnen diese Aussage annehmen, akzeptieren und bereit sind, schrittweise darauf zuzugehen, benötigen alle ErMUTIGung und Vertrauen. Vertrauen zu sich selber, zu den eigenen Stärken, Talente und Fähigkeiten und auch Vertrauen in mich als ihre Beraterin. 


Ich weiss, wie sich mangelnde Wertschätzung anfühlt. Ich weiss, wo die Entmutigung einen Menschen hinführen kann. Ich weiss, dass es anders werden kann! Dieses Vertrauen und konkretes Handwerkszeug dazu gebe ich meinen KlientInnen sehr gerne und aus vollster Überzeugung weiter. 

In: Selbstvertrauen 


Tags: selbstvertrauen selbstwert mobbing burnout 

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Ich freue mich auf Rückmeldungen und darauf, Sie kennen zu lernen!

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