Lebensstil

Gepostet von Barbara Spring am Donnerstag, August 27, 2015 Unter: Lebensstil
Das Lebenslauf-Buch


Wir alle sind im Besitz von unserem ganz persönlichen Lebenslauf-Buch.

Wenn wir uns auf eine Stelle bewerben, ist es sonnenklar, dass wir unseren Lebenslauf aktualisieren. Die neusten Aus- und/oder Weiterbildungen werden aufgeführt. Das Herausarbeiten unserer beruflichen Stärken ist eine Selbstverständlichkeit. Schliesslich wollen wir unserem Gegenüber zeigen, dass wir die richtige Besetzung für den Job sind.

Wie verhält es sich jetzt mit dem eigenen Lebenslauf-Buch? Dieses Buch hat so viele Seiten wie Lebenstage. Jeder und Jede ist für den Inhalt selbst verantwortlich. 

Wir kreieren durch und mit unseren Verhaltens- und Denkmustern unsere täglichen Lebenserfahrungen und steuern so unser aktuelles Empfinden und Befinden - eben unser Lebensgefühl.
Im Lebenslauf-Buch kommen auch die Eltern, Geschwister, Grosseltern vor, plus die Umgebung, in die der kleine Mensch hineingeboren worden ist und die ersten - die wichtigsten Lebensjahre hinsichtlich der Bildung des sog. Lebensstils - verbracht hat. Auch wichtig ist die damalige Witterung, die Familienatmosphäre um das Kleinkind herum. Schien oft und intensiv die Sonne? Herrschte "Dürre"? Oder gab es unerwartete Stürme, Unwetter? Oder war das Wetter meist ausgeglichen? 

Wie lautet der Titel Ihres Lebenslauf-Buches? Welche Geschichte erzählt Ihr Buch?

Das ganze Leben ist eine einzig Geschichte. Viele Menschen erkennen jedoch nicht, dass sie selbst die Autoren sind und die Geschichte, IHRE Geschichte so schreiben können, wie Sie es wirklich wollen. 

Durch das Umfeld aus den frühkindlichen Lebensjahren lernen wir Menschen, wie wir über uns selber, über andere, über das Leben denken, was wir davon halten sollen. Diese Grundüberzeugungen speichern wir tief in unserem Unterbewusstsein ab und verhalten uns, ohne uns dessen bewusst zu sein, danach. So erstaunt es nicht, wenn ein Mensch z.B. die Überzeugung hat: "ich bin immer das dritte Rad am Wagen" dies auch wieder und wieder so erlebt. Weil sich dieser Mensch unbewusst und sehr gekonnt in Situationen hinein begibt, wo genau dies das erlebte Resultat ist. 

Jetzt geht es darum herauszufinden, welche ungelösten emotionalen Erinnerungen, Schlussfolgerungen, Muster aktiv sind, damit sie nochmals (neu) betrachtet und endgültig losgelassen werden können. Und der entmutigte Glaubenssatz definitiv der Vergangenheit angehört. 


Der Suchende (Jorge Bucay, Geschichten zum Nachdenken)

Dies ist die Geschichte eines Mannes, den ich als Suchenden bezeichnen würde.
Ein Suchender ist jemand, der sucht, nicht unbedingt jemand, der findet.
Auch ist es nicht unbedingt jemand, der weiss, wonach er sucht. Es ist schlicht und einfach jemand, für den das Leben eine Suche ist.

Eines Tages spürte der Suchende den Drang, nach Kammir zu gehen. Er hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, mit solchen Eingebungen, die von irgendwoher aus seinem Inneren kamen, nicht lange zu fackeln und ihnen einfach zu folgen. Er liess also alles stehen und liegen und machte sich auf den Weg.
Nach zwei Tagesmärschen über staubige Wege sah er in der Ferne Kammir liegen. Kurz vor dem Dorfeingang fiel ihm am rechten Wegesrand ein Hügel auf. Er war von einem wunderschönen Grün überzogen, und Bäume, Vögel und zauberhafte Blumen gab es dort in unendlicher Zahl. Rings um den Hügel zog sich ein niedriger polierter Holzzaun.
Ein Bronzetor lud ihn zum Eintreten ein.

Sofort war das Dorf vergessen, und er gab der Versuchung nach, sich einen Moment an diesem Ort auszuruhen.
Der Suchende durchschritt das Tor und begann langsam zwischen den weissen Steinen umherzuspazieren, die verstreut zwischen den Bäumen standen.
Er liess seine Augen wie Schmetterlinge auf jedem Detail dieses farbenprächtigen Paradieses ruhen.
Seine Augen waren die eines Suchenden, und vielleicht erkannte er deshalb auf einem Stein jene Inschrift:

Abdul Tareg, lebte 8 Jahre, 6 Monate, 2 Wochen und 3 Tage

Er erschrak ein wenig, als er merkte, dass der Stein nicht einfach nur ein Stein, sondern ein Grabstein war.
Es schmerzte ihn zu erfahren, dass ein so junges Menschenkind an diesem Ort begraben lag.
Als er sich weiter umschaute, bemerkte der Mann dass auch der nächste Stein eine Inschrift trug. Er trat an ihn heran und las:

Yamir Kalib, lebte 5 Jahre, 8 Monate und 3 Wochen

Der Suchende zeigte sich zutiefst erschüttert.
Dieser hübsche Ort war ein Friedhof, und jeder Stein war ein Grab.
Nach und nach begann er die einzelnen Grabsteine zu entziffern.
Alle hatten sie ähnliche Inschriften: einen Namen und die genaue Lebenszeit des Toten.
Was ihn aber derart in Schrecken versetzte, war die Tatsache, dass der älteste von ihnen kaum länger als elf Jahre gelebt hatte.
Von unendlichem Schmerz überwältigt, setzte er sich nieder und weinte.

Der Friedhofswärter kam des Weges und trat auf ihn zu. 
Er sah ihm eine Weile still beim Weinen zu und frage ihn dann, ob er um einen Familienangehörigen trauerte.
"Nein, kein Angehöriger", sage der Suchende. "Aber was ist nur in diesem Dorf geschehen? Von welchem Schrecken wird dieser Ort heimgesucht? Warum liegen hier so viele Kinder begraben? Was für ein böser Fluch lastet auf diesen Menschen, dass sie einen Kinderfriedhof haben errichten müssen?"

Der Alte lächelte und sagte:
"Beruhigen Sie sich. Es gibt keinen Fluch. Wir haben hier einen alten Brauch. ich werde Ihnen davon erzählen:
Wenn ein Jugendlicher fünfzehn Jahre alt wird, schenken ihm seine Eltern ein kleines Heftchen, so wie dieses, das ich hier trage, und das hängt er sich um den Hals. Unser Brauch ist es, dass von diesem Moment an jeder Augenblick, in dem einem etwas sehr Schönes widerfährt, in diesem Büchlein festgehalten wird.
Links wird aufgeschrieben, was uns so glücklich gemacht hat. Und rechts, wie lang das Glück gedauert hat.

Seine künftige Braut kennengelernt und sich in sie verliebt zu haben. Wie lang dauert die grosse Leidenschaft, wie lang währt dieses Glück? Eine Woche? Zwei? Dreieinhalb?
Und dann, der erste Kuss, wie lange hält der grosse Zauber an? Eineinhalb Minuten, solang wie der Kuss? Zwei Tage? Eine Woche?
Schwanger zu werden und das erste Kind zur Welt zu bringen?
Und die Hochzeit der Freunde?
Die lang ersehnte Traumreise?
Und das erste Wiedersehen mit dem Bruder nach seiner Rückkehr aus einem fernen Land?
Wie lange dauert die Freude über diese Momente?
Stunden? Tage?

Und so halten wir jeden freudvollen Augenblick in diesem Büchlein fest. Jeden einzelnen.

Und wenn jemand stirbt, so ist es unser Brauch, sein Büchlein aufzuschlagen und die Glücksmomente zusammenzurechnen, um das Ergebnis auf sein Grab zu schreiben. Denn für uns ist einzig und allein dies die wirklich gelebte Zeit.

Welche wirklich gelebte Lebenszeit soll einmal auf Ihrem Grabstein zu lesen sein?

In: Lebensstil 


Tags: lebensstil überzeugungen glaubenssätze 

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Ich freue mich auf Rückmeldungen und darauf, Sie kennen zu lernen!

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