Schwellen übertreten

Gepostet von Barbara Spring am Sonntag, August 14, 2016 Unter: Vergangenheit

Aufbruch, seinen eigenen Weg gehen, neue (Lebens)-Ziele finden


Zu fühlen: etwas in meinem Leben passt nicht mehr. Die Bereitschaft zu haben, loszulassen. Den Mut aufbringen um erste "Reisevorbereitungen" zu treffen. Voll und ganz zu sich selbst stehen zu wollen. Auch wenn es drum herum stürmt und tobt. Im "Auge des Sturms" Ruhe und Kraft finden um weiter zu gehen.

Hier spreche ich von Reisen, wofür wir keine Ferien eingeben, keinen Flug buchen müssen. Wir brauchen nicht einmal den Ort wo wir uns aktuell befinden, wo wir leben, zu verlassen. Hier ist die Rede von Reisen nach Innen. Längst nicht jede dieser Reisen muss einer „Weltreise“ gleichkommen. Es gibt so viele unterschiedliche Arten von Reisen. Manche gleichen mehr einem Ausflug, manche sind Rekognoszierungsreisen und ja, manche Reisen ziehen sich in die Länge, können zu einer gefühlten „Weltreise“ oder auch zu einer inneren „Pilgerreise“ werden. Es kann auch sein, dass wir nicht immer freiwillig „auf Reisen“ gehen. Ereignisse von aussen, die an uns herangetragen werden, geplant oder ungeplant, willkommen oder unwillkommen lassen uns auch in Bewegung kommen. Immer wieder fordert uns das Leben dazu auf, uns zu verändern, Umbrüchen und Neuanfängen zu begegnen. Es sind Angebote, die uns das Leben macht. Ob und in welcher Weise wir diese Angebote annehmen und was wir daraus machen, liegt im Ermessen des Einzelnen.  

„Man kann gar nicht oft genug im Leben das Gefühl des Anfangs in sich aufwecken“
- Rainer Maria Rilke – (Deutscher Dichter – 1875–1926)

Aufbruch
Kann sichtbar oder ganz still im Innen vor sich gehen. Aufbruch, sich auf den Weg zu machen und auch; etwas auf-zu-brechen. AufBruch einer Denk-/Verhaltensweise zum Beispiel, einer Lebenseinstellung, die aktuelle Art der Lebensführung.

Wir wissen, dass wir nie wieder dieselben sein werden wie vor der Reise. Sie wird uns verändern. So oder so. Nach Möglichkeit sollten wir uns Zeit zur Planung geben, uns Gedanken machen: ‚Wohin soll die Reise gehen? Wollen wir uns einen Zeitrahmen stecken? Wann soll’s losgehen? Wen wollen wir mit einbeziehen? Wer begleitet uns? Was benötigen wir auf unserer Reise? Was soll nach der Reise anders sein?‘ Solche und ähnliche Fragen sollten wir uns stellen und in aller Ehrlichkeit uns selber gegenüber beantworten.

Wie gehen wir mit Umwegen, Unwegsamkeiten um? Während unserer Reise werden wir immer wieder dazu aufgefordert zu prüfen: ‚Sind wir noch auf dem Weg? Was ist uns wichtig? Was wollen wir?‘

Es gibt auch Situationen, da zwingen uns die Umstände dazu einfach mal los zu gehen; wenn wir vor vollendete Tatsachen gestellt werden, wenn wir krank werden, wenn ein Todesfall eintrifft, wenn wir den Job verlieren. Dann packen wir unseren Rucksack mit dem Allernötigsten… und starten. Erst wenn wir unterwegs sind wird uns nach und nach bewusst, was sich gerade alles verändert. Hier sind wir dazu eingeladen anzunehmen was ist. Es gibt Dinge, die können wir nicht ändern; nur annehmen und lernen damit auf konstruktive Weise umzugehen.

Im besten Fall spüren wir die innere Vorfreude „es geht bald los!“ Wir übertreten eine ganz bestimmte Schwelle, Abschied und Neubeginn zugleich. Wir nehmen einen tiefen Atemzug und tun diesen wichtigen Schritt… wir verlassen den uns schützenden Bereich… los geht’s!

Unterwegs sein
Zu Beginn womöglich mit zaghaften Schritten. Neues, ungewohntes Terrain. Anstrengend und schön zugleich. Haben wir den richtigen Proviant dabei? Wir sollten mit leichtem Gepäck unterwegs sein. Befürchtungen, Ängste und Zweifel packen wir nicht mit ein; dafür Neugier, Zuversicht, Mut – die gehören zwingend in unseren Rucksack. Stimmt die Richtung?

Der Weg ist womöglich wichtiger als das Ziel. Wir haben gelernt, während wir laufen, den Blick geradeaus zu richten. Nicht auf den Boden schauen. Doch wenn wir unseren Blick stets nur geradeaus richten, übersehen wir, was rechts und links vom Weg zu entdecken ist. Wir dürfen immer wieder langsam gehen, verweilen, bewusst wahr nehmen was wir gerade sehen, hören, riechen, fühlen und tun. Eine längere Rast einlegen. In sich hineinspüren, Atmen und wieder weitergehen. Die Qualität des Jetzt erkennen.

Rasten und Ruhen
Wie auf einer realen Reise sind wir auch auf unserer inneren Reise nicht ununterbrochen unterwegs. Wir legen Pausen ein, ruhen uns aus, essen, trinken, schlafen. Was assoziieren wir mit „sich ausruhen können“? Ist es ein bestimmter Ort der uns in den Sinn kommt? Ein See, der Lieblingswanderweg an einem Fluss entlang, ist es eine kuschelige Ecke zuhause, das Lieblingscafé? Wo fühlen wir uns rundum wohl? Welche Menschen haben für uns die Bedeutung einer "Herberge"? Wer und was tut uns gut, wo können wir "tanken"? Wer hört uns immer zu, wer gibt uns die Gewissheit dass wir gut genug sind, so wie wir eben sind? Wer stärkt uns wenn wir schwach sind? Wem haben wir unser Vertrauen geschenkt? Wie tun wir unserem Körper während unserer Reise Gutes? Ist es ein Bad mitten im Nachmittag, eine Fastenkur, regelmässige Spaziergänge in der Natur, verbringen wir Zeit mit Tieren?

Welche Tätigkeiten tun uns während unserer Reise gut? Wo wollen wir bewusst unseren Alltag unter-/durchbrechen und andere Dinge als gewohnt tun? Wollen wir vielleicht seit Monaten ein Buch lesen, eine frühmorgendliche Meditation… wäre das jetzt der richtige Augenblick um damit zu starten? 

Rückblick
Dankbar sein für alles, was wir bisher erlebt haben, für die Person, die wir sind. Auf sich selber stolz sein. Unser bisheriges Leben würdigen; was haben wir alles gelernt. Was haben wir alles getan und geschafft? Welche Schwierigkeiten erfolgreich gemanagt? Kein anderer ist diesen Weg gegangen. Kein anderer weiss, was dieser Weg für uns bedeutet. Kein anderer kann sich wirklich in uns hineinfühlen.

Dankbar sein und loslassen. Wertschätzen. Neues freudig zulassen. Neue Erfahrungen sammeln. Neue Fehler machen. Neue Entscheidungen treffen. Und immer weitergehen. Seinen Weg mutig gehen. Umwege willkommen heissen. Sie zeigen und lehren uns Unerwartetes, Ungeahntes, Dinge, die wir auf direktem Wege nicht kennen lernen würden.

"Wenn du nicht fliegen kannst, renne
wenn du nicht rennen kannst, gehe, 
wenn du nicht gehen kannst, krabble
aber was auch immer du tust, 
du musst weitermachen"
- Martin Luther King -


Nach vorne schauen
Es mag manchmal schwierig sein sich von all dem Vertrauten, den sicheren Strukturen die wir uns jahrelang aufgebaut und erhalten haben (teilweise) zu verabschieden. Doch nur so können wir neue Erfahrungen sammeln; wenn wir unsere Komfortzone verlassen. Wenn wir den Schritt über diese ganz bestimmte Schwelle tun. Vom darüber nachdenken wie es sein könnte ins Tun kommen. Die geschmiedeten Pläne angehen. Neugierig und mutig sein. Freude und Glück zulassen. Vergeben und Verzeihen. Anderen und sich selbst. 

Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird.
Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.
- Georg Christoph Lichtenberg -

Neue Sichtweisen, neue (innere) Welten, neue Menschen kennen lernen muss nicht zwingend bedeuten, die Welt real zu bereisen. Es kann, muss jedoch nicht. Es geht darum sich selbst immer wieder zu reflektieren und andere, neue Sicht- und Lebensweisen zuzulassen. Lernen wollen. Neue Freundschaften schliessen. Vor allem auch Freundschaft mit sich selber schliessen. 

An(ge-)kommen
Angekommen. Durchatmen. Im Leben und bei sich geerdet und zuhause sein. Ankommen um auch wieder neu zu starten. Das Leben ist eine Reise.

In: Vergangenheit 


Tags: loslassen innere reise neuland lerne 

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