Unsere Herkunft, sie prägt uns für’s Leben. Die gute Nachricht: das muss nicht so bleiben!

Gepostet von Barbara Spring am Sonntag, September 20, 2015 Unter: Lebensstil

Wir können uns nicht aussuchen, in welche Familie wir hineingeboren werden. Wir können uns jedoch als Erwachsene immer wieder neu entscheiden, was wir daraus machen wollen, wie wir darauf reagieren wollen.

Da gibt es Menschen, die sich immer wieder mit ähnlichen Charakteren umgeben, oder bei einer Familienfeier kommt schon wieder die Aussagen: "du bist ganz wie deine Mutter"!; „die Statur hast du vom Vater!“. Bei der Arbeit, der Vorgesetzte, der uns an den Kopf wirft: „was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!“ erkennen wir Aussagen von früher.

So gibt es unendlich viele Prägungen, die wir von Kindsbein an mit auf unseren Lebensweg bekommen. Und wir haben sie uns tief in uns als „unsere geheime Wahrheit“ abgespeichert. Es ist wie unser eigenes Schnittmuster, unser Finger- oder Fussabdruck. Unverkennbar. Einzigartig.

Unsere Herkunft, sie prägt uns für’s Leben. Die gute Nachricht: das muss nicht so bleiben!



Muster entstehen

Dieses Schnittmuster entsteht in den ersten drei bis sechs Lebensjahren eines Menschen. Diese Zeit ist von enormer Wichtigkeit für das weitere (Er-)Leben.

Beginnen wir also ganz am Anfang, als das Kind in die Familie hineingeboren wird. Mann und Frau sind jetzt in ihrer Rolle als Eltern für das Kind das Mass aller Dinge. Alles ist neu. Das Kind ist wie ein grosser, trockener Schwamm, der alles aufnimmt. Informationen, Gefühle, Handlungen, Gerüche, Klänge...

Auch spürt das kleine Geschöpf, ob sein Hiersein gewollt ist, ob sich die Eltern auf sein Hiersein gefreut haben oder nicht. Auch spielt es eine Rolle, wie die Schwangerschaft verlaufen ist. Gab es schwierige Zeiten z.B. weil ein Elternteil einen Verlust (Job, Todesfall…) zu verarbeiten hatte? Alles, was während der Schwangerschaft war, ist vom Ungeborenen aufgenommen worden. Wir können’s uns wie eine Grundmelodie vorstellen, die sich im Kind schon vor der Geburt verinnerlicht hat.

Mit dieser Grundmelodie kommt das Kleine zur Welt.

Ab jetzt lernt das kleine Menschlein – im ersten Lebensjahr fast ausschliesslich von seiner Mutter – ab dem zweiten Lebensjahr auch von Vater, den Geschwistern, den Grosseltern. Es lernt, wie es von sich denken soll. Ob es gut genug ist, so wie es ist oder ob oft gemeckert, genörgelt wird. Ob die Liebe und Zuneigung erkämpft werden muss, ob der eigene Wille gelebt werden darf, ob die Zugehörigkeit erlebt werden kann. Das Kind lernt Werte und Regeln kennen. Das Kind lernt zu urteilen, zu verurteilen, zu bewerten und zu vergleichen.

In der Individualpsychologie nennen wir diese Zeit die Zeit da der ganz persönliche Lebensstil gebildet wird. Die Schnittmuster entstehen. In den ersten drei Lebensjahren wird der Grundstein, das Fundament für den weiteren Verlauf des Lebens gelegt. In diesen ersten Lebensjahren werden Meinungen gebildet, die Eltern leben dem Kind ja alles vor. So auch, wie Beziehungen gelebt werden, was normal ist, was erwartet wird.

Die Wichtigkeit von Geschwisterpositionen

Sind Geschwister da resp. kommen Geschwister zur Familie hinzu (leibliche oder Adoptivgeschwister), hat dies einen enormen Einfluss auf jedes einzelne Kind. Die Rollen werden verteilt und kommen das ganze Leben über immer wieder zum Vorschein. Die Jüngstgeborenen werden ihr Leben lang „die Kleinen“ sein, sie versuchen ernst genommen zu werden und kriegen’s doch immer wieder hin, genau das Gegenteil zu erreichen. Die Erstgeborenen werden ihr Leben lang um ihre Position kämpfen, wenn er innerhalb von vier, maximal fünf Jahren ein Geschwister hinzugekommen ist. Denn dieses macht dem Erstgeborenen nun den Platz streitig.  Wir sprechen hier von der „Entthronung des Erstgeborenen“. Die in der Mitte Geborenen eifern oft nach Gerechtigkeit, müssen sich nicht alles erkämpfen, können gelassener sein.

Ob ein Kind ein Wunschkind ist oder ob's ein „Betriebsunfall“ war… ist von grosser Bedeutung. Ebenfalls spürt ein Kind (auch Jahre nach dem Ereignis) ob ein Geschwister während der Schwangerschaft gestorben ist. Oft fehlen für solche Empfindungen die Worte. Doch wir Menschen spüren, dass da irgendetwas ist...

Neubewertung

Der Familie, einem Elternteil, der Kindheit „die Schuld“ am Verlauf des eigenen (Er-)Lebens zu geben, das ist zu einfach und auch verantwortungslos. Wir Menschen sind Entscheidungen treffende Wesen. Und als solche haben wir in der Konsequenz auch die Folgen aus unseren Entscheidungen zu tragen. So stehen wir auch immer wieder vor der Frage, ob wir jetzt gerade selbst die Regiezügel unseres Lebens in der Hand halten oder ob wir andere führen lassen. Welche Rolle wollen wir einnehmen? Wenn wir uns Pferd und Wagen vorstellen: sind wir der Kutscher oder das Pferd, das sich in die Riemen legt?

Als Erwachsene sind wir immer wieder dazu eingeladen unsere Kindheit, unsere Vergangenheit erneut zu betrachten und sie neu verstehen zu wollen.

Viele Menschen hatten resp. haben eine schwierige Kindheit. Viele Menschen tragen in ihrem Lebensrucksack Lasten mit sich herum, die sie loslassen können.

Die Vergangenheit ist nicht veränderbar. Was wir daraus machen, schon! Die Entscheidung liegt immer beim Einzelnen. Und es braucht zuweilen viel Ausdauer und Übung, um einmal abgespeicherte Grundeinstellungen zu sich, zu anderen, zum Leben a) erst mal erkennen und b) sie dann auch noch verändern zu wollen. Doch es lohnt sich allemal. Dieser Weg bedeutet, die Verantwortung für sich selbst zu 100% zu übernehmen, mehr Selbstvertrauen und mehr Lebensfreude erleben zu können.

Die eigene Ursprungsfamilie prägt uns, zweifellos. Sie ist jedoch nie für uns und wie wir unser (Er-)Leben gestalten, verantwortlich. Das sind immer wir selber! 

In: Lebensstil 


Tags: familie vergangenheit "muster erkennen und auflösen" 

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