Nur als Prinz getarnt

Gepostet von Barbara Spring am Sonntag, Oktober 18, 2015 Unter: Gefühle
Verliebt - wenn wir uns durch unsere Gefühle erpressbar machen



Wenn andere nach uns fragen, sich für uns interessieren, macht uns das glücklich.
Wenn andere den Kontakt zu uns als nicht selbstverständlich, als etwas Besonderes sehen, macht uns das glücklich.
Wenn andere uns so nehmen wie wir sind, macht uns das glücklich.
Wenn andere uns vertrauen, macht uns das glücklich.
Wenn andere an uns glauben, macht uns das glücklich.
Wenn andere mit uns unsere Wünsche und Träume teilen, macht uns das glücklich.
Wenn andere uns lieben, macht uns das glücklich.
Wenn andere uns respektieren und wertschätzen, macht uns das glücklich.
Wenn andere uns erMUTIGen voller Hoffnung in die Zukunft zu blicken, macht uns das glücklich.
Wenn andere uns zum Wichtigsten in ihrem Leben machen, macht uns das glücklich.

Nährboden für Liebe
Wir haben uns in den Ferien kennen gelernt. Alles war so herrlich. Die wärmende Sonne, die Tage voller Unbeschwertheit. Das viele Lachen, die vielen gemeinsamen Gespräche, der Blickkontakt. Dann kommt das Ferienende und wir vereinbaren, uns nicht aus den Augen verlieren zu wollen. Kaum zuhause angekommen, schreiben wir die erste eMail. Wir tauschen regelmässig unsere alltäglichen Erlebnisse aus, fühlen uns verstanden und wichtig. Endlich können wir mit jemandem unser Leben teilen - wirklich teilen. Wir haben unseren Seelenverwandten gefunden! Und mit jeder eMail steigt die Vorfreude vom anderen wieder lesen zu können. Immer mehr Informationen werden geteilt und es baut sich eine bisher nie dagewesene, bisher nie erlebte Nähe auf. Am anderen Ende dieser elektronischen Herzleitung sitzt ein Mensch der uns haargenau versteht. Wir fühlen: hier entsteht etwas ganz Grosses! Das Herz klopft wie wild... es ist wie ein Geschenk des Himmels. Wir sind bis über beide Ohren verliebt. 

Es ist eine Zeit, da ist einfach alles perfekt. Die Welt ist rosa. Der Himmel hängt voller Geigen. Wir sehen im anderen nur das Positive, das Gute, Schöne, Spannende. Wir malen uns in den buntesten Farben aus, wie unser neues Leben aussehen wird. Voller Romantik, voller kleiner und grosser Abenteuer, keine Sorgen mehr. Den Sonnenuntergang geniessen, auf der Veranda sitzen und den Tag gemeinsam ausklingen lassen - in vollendeter Harmonie, jeden Abend. Ach wie herrlich! Kein Streiten, kein Rechtfertigen mehr. Endlich einfach nur noch Leben, Lieben und Lachen.
Das neuzeitliche Aschenputtel hat seinen Prinzen gefunden. Der virtuelle Tanz der Gefühle, Hoffnungen, Wünsche und Träume, all das wirkt betörend, macht süchtig nach noch mehr von diesen wunderbaren Sinnesreizen.

Wenn Nähe verletzbar macht
Eine weitere eMail trifft ein, wir öffnen sie voller freudiger Erwartung und ob allem Lesen erstarren wir innerlich. Im Magen bildet sich ein Klumpen, der Nacken beginnt zu brennen, das Herz rast - aber aus einem anderen Grund als bisher. 
Unser Prinz verwandelt sich gerade in einen Frosch zurück. Zuerst denken wir, unsere Augen lügen uns an... Nein, das kann doch gar nicht wahr sein! Er behauptet dreist in seiner Welt in der Klemme zu sitzen und verlangt jetzt von uns Hilfe - Geld! Die Gedanken jagen sich. So Vieles haben wir über uns, unser Leben preisgegeben. Uns wird angst und bang und wir fragen uns ob wir - gut- und blauäugig wie wir waren - da jemandem auf den Leim gegangen sind. Wir vertrauten blind. Alle warnenden inneren Stimmen, die sich bemerkbar machten, haben wir im Keime erstickt. Unserer Intuition sind wir über den Mund gefahren: "Schweig! Mach' mir nicht wieder alles kaputt! Nicht dieses Mal!".

Wir schreiben wie verletzend und erniedrigend diese Forderung auf uns wirkt, wie wir uns ausgenutzt und missbraucht fühlen, dass wir weder Geld zahlen können noch wollen. Wir versuchen zu ergründen, ob unser "Prinz" wirklich aus einer Notsituation heraus handelt oder ob er sich einfach bereichern will, ob es seine Masche ist, die er schon tausend Mal erfolgreich angewendet hat. Es gelingt nicht, Klarheit zu schaffen. Unserer Intuition schenken wir wieder Gehör. Sie sagt uns: "brich den Kontakt ab". 

Das wahre Gesicht zeigt sich
Und dann komme sie, die (An-)Drohungen.
Wenn du nicht dann... Du musst jetzt, sonst... Wenn du mir nicht hilfst, bist du ein schlechter Mensch... Wenn du nicht, werde ich...
Volle Breitseite! Wir werden auf unserer menschlichen Ebene angegriffen. Der Frosch am anderen Ende dieser elektronischen Leitung schiesst direkt auf unser Selbstbewusstsein, unser Selbstwertgefühl, unser Selbstvertrauen. In der Individualpsychologie sprechen wir von der A-Säule. Dabei geht es um existenzielle Grundüberzeugungen, die wir zu uns selbst haben. Es ist der Glaube, das Vertrauen an und zu sich, an die eigenen Fähigkeiten, Stärken und Möglichkeiten, es ist die Selbstannahme - ich bin gut genug so, wie ich bin. Hier sind wir alle angreifbar. Und das weiss der Frosch.

Wir fühlen uns einfach nur schlecht. Die Enttäuschung ist riesig. Und es macht sich eine schier ohnmächtige Angst in uns breit. Was, wenn die (An-)Drohungen in die Tat umgesetzt werden?! Wir stellen uns das ganze schreckliche Szenario in allen Details, die uns unser Gehirn liefern kann, vor. Da würden wir bestraft, ausgelacht, ausgeschlossen, gemieden... Wir würden für immer alleine, einsam sein. Eine einzige Katastrophe. Die inneren Selbstgespräche sind vernichtend. "Das hast du dir selbst zuzuschreiben. Selber schuld!", "Warum fällst du auf solche Maschen immer wieder rein!", "Jetzt stehst du am Abgrund und wirst fallen!". Schlaflose Nächte, ruhelose Tage und wir glauben, keinem davon erzählen zu können. Zu gross ist die vermutete Schmach. Es muss doch einen Weg geben, selber aus dieser misslichen Lage herauszukommen.

Wie es dazu gekommen ist
Alle Menschen wollen dazugehören, wichtig sein, geliebt werden.
Und da taucht unser Prinz auf und hat uns glauben gemacht, dass sich unsere bisher unerfüllten Bedürfnisse und Wünsche erfüllen würden. Es wäre ein Dauerzustand. Einfach so, weil er uns liebt. Wir fühlten uns einen Augenblick unseres Lebens wirklich wie (s)eine Prinzessin. Wir fühlten uns respektiert, angenommen, zugehörig, wichtig und geliebt. Der jahrelange innere Druck war einfach wie weggefegt. Alles war Licht, alles war Glück. Wir wollten doch nur glücklich sein!

Was jetzt
Erst einmal tief durchatmen. Abstand schaffen. Die inneren Selbstgespräche erMUTIGend gestalten; wenn das gerade nicht geht, ein Satz geht immer: "ich bin gut genug so, wie ich bin! Ich gebe immer mein Bestes und das ist gut genug".
Ein paar Tage keine eMails - schon gar nicht von ihm - lesen. Auf die (An-)Drohungen auf keinen Fall antworten sondern den Kontakt abbrechen. Und den Mut aufbringen, abzuwarten. Jetzt können wir beginnen, nach Lösungen und Wegen zu suchen. Wem können resp. wollen wir uns anvertrauen? Wer könnte Rat wissen? Was tut uns gerade gut um etwas Druck abzubauen? Wo haben wir uns wirklich angreifbar gemacht und wo gaukelt uns unser Vorstellungsvermögen vor, verletzlich zu sein? (wir stellen uns meistens ein Worstcase-Szenario vor... und dann kommt es sehr oft nicht annähernd so schlimm, wie wir befürchtet hatten!). Wovor haben wir wirklich Angst? Welche ganz konkreten Möglichkeiten stehen uns zur Verfügung? Was kann ein erster Schritt in die richtige Richtung sein? 

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit
das eine vom anderen zu unterscheiden (C.F. Oetinger)

An dieser Stelle ist es sinnvoll sich selbst gegenüber ehrlich zu sein und sich zu fragen, was genau denn im eigenen (Er-)Leben fehlt. Was hat uns dazu bewogen, unserem "Prinzen" blind zu vertrauen? Wo hat er uns "abgeholt"? Was ist unser eigene Anteil, dass es soweit gekommen ist? Wie können wir uns ganz konkret anders verhalten, um unsere Bedürfnisse künftig auf eine "gesunde" Weise zu erfüllen? 
Wie Denken - Fühlen und Handeln wir aktuell? Was kommt uns bekannt vor und welchen Preis bezahlen wir immer wieder? Wo, in welchen Lebenssituationen haben wir ähnliches erlebt? Was tun wir immer wieder, damit wir (schon wieder) in selbst gemachte Lebensfallen hineintappen? Was für Gedanken und Erwartungen verbinden wir damit, wenn wir - wie in dieser Geschichte - unsanft auf dem Boden der Realität landen? Ist uns womöglich das Scheitern auf den Leib geschrieben? Sind wir tief in unserem Unterbewusstsein vielleicht davon überzeugt, das Glück nicht verdient zu haben? Wozu sabotieren wir uns immer wieder selbst? 

Vom Statist zum Regisseur - vom Opfer zum Gestalter



Wer in dieser Geschichte hat von Anfang an die Regie? Ja, unser Prinz. Er war es, der den ersten Kontakt - damals im Strandcafé - hergestellt hat. Er hat uns immer wieder ein Zückerchen hingeworfen und wir haben's dankbar angenommen. Er hat uns ganz subtil geführt. Und: wir haben's gespürt und munter ignoriert. Weil wir am Ende dieses Weges das Paradies, das Glück, die Leichtigkeit des Seins erhofften. Wenn wir unser Glück und unser Unglück von anderen abhängig machen, sind wir uns selbst untreu und geben anderen Macht über uns. Wenn wir die Verantwortung  für unsere Bedürfnisse, für unsere Wünsche und Träume, für uns selbst nicht übernehmen wollen, finden wir immer passende Argumente und Ausreden. Die mögen auch ganz logisch klingen... und wir geben anderen die Legitimitation dass es ok ist, wie sie mit uns umgehen, dass wir es ok finden, von ihnen gesteuert und bestimmt zu sein. Das Verrückte dabei ist: es fühlt sich überhaupt nicht gut an. 

Was hält uns zurück? Angst. Die Angst für sich selbst einzustehen. Die Angst "es" nicht zu können. Die Angst, die Konsequenzen aus der eigenen Veränderung übernehmen zu müssen und dann zu scheitern. Diese Angst ist derart gross, dass wir immer wieder bereit sind in unseren alten Mustern zu verharren und einen zum Teil richtig hohen Preis zahlen. Na ja... der "Trost" ist, dass wir wenigstens wissen, wie wir mit solchen Situationen umgehen müssen. Es ist ja immer wieder das gleiche Lied. 

Wenn wir uns auf der anderen Seite dazu entschliessen für uns die 100%tige Verantwortung zu übernehmen, dann übernehmen wir die Regie für unser (Er-)Leben und wir werden immer Möglichkeiten finden. Manchmal nicht sofort. Manchmal braucht es viel Geduld und auch Hilfe von anderen. Doch wir werden immer wieder Wege finden um in die gewünschte Richtung einen nächsten Schritt zu tun. Schlussendlich ist das womöglich auch der etwas beschwerlichere Weg, denn wir können so keinem anderen die "Schuld" in die Schuhe schieben, wenn's nicht gleich auf Anhieb so klappt, wie wir es gerne hätten... dann heisst es: am Ball bleiben. Denn wenn wir unsere Bedürfnisse erfüllen, wenn wir unsere Träume realisieren, wenn wir an unserem (Etappen-)Ziel angelangt sind, wenn wir uns stark, mutig, glücklich, zufrieden, geliebt, angenommen und eingebunden fühlen... stärken wir unsere A-Säule.

Wir glauben an uns, wir sind mutig und erMUTIGen andere, wir vertrauen uns und unserer Intuition. Diese Belohnung ist mit nichts auf der Welt zu überbieten! 



In: Gefühle 


Tags: vertrauen gefühle enttäuschung erwartungen 

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