Vom Ver- und Beurteilen

Gepostet von Barbara Spring am Mittwoch, Juli 27, 2016 Unter: Beziehungen

Von der eigenen Perspektive ausgehend

Da kommen wir mit einem anderen Menschen zusammen und der hat – zum Glück! - seine eigene Meinung und sagt sie auch noch! Und schon geht’s in unserem Unterbewusstsein los: wir ver- und beurteilen unser Gegenüber in Sekundenschnelle was das Zeug hält; als ‘gemein’, ‘unfair’, ‘komisch’, ‘arrogant’, ‘egoistisch’, ‘muss ständig im Mittelpunkt stehen’, ‘Jammerlappen’, ‘rechthaberisch’ .. usw. Ja manchmal fühlen wir uns sogar dazu angehalten uns verteidigen zu müssen, weil da der Feind vis-à-vis ist!

Gut zu wissen: Abwehr löst wiederum Abwehr aus. Verteidigung löst wiederum Verteidigung aus. Wir sollten diesen Zyklus ganz bewusst und immer wieder unterbrechen.

Wir verlieren völlig aus dem Blick, dass uns unser Gegenüber in Wirklichkeit überhaupt nichts Böses getan hat. Einzig und allein dessen Anwesenheit genügt uns. Wir ver- und beurteilen munter. Aus unserer Sicht! Denn es kann ja nur so und nicht anders sein. Der andere ist doof. Der andere liegt falsch. Der andere verhält sich falsch. Nicht wir selber. Unser Gegenüber fühlt sich natürlich auch nicht wohl, weiss nicht, was da gerade passiert, kann unsere Mimik, Gestik, verbale Reaktion nicht einordnen… und weil wir nicht miteinander reden bleibt die Situation gefühlt ungemütlich bis leidend. Bei Wiederholungen gehen wir uns womöglich lieber aus dem Weg oder es gibt Streit kaum sind wir im selben Raum.


Alles, was wir hören ist eine Meinung, keine Tatsache. Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit.
Marcus Aurelius -

 

Wozu denn?
Wir Menschen tun nichts ohne Ziel, ohne Grund. Was wollen wir denn mit unserem ver- und beurteilen wirklich erreichen?
Was, wenn wir uns an dieser Stelle selber und in aller Offenheit und Ehrlichkeit Fragen stellen wie:


  • Was tue ich da genau mit mir? Mit meinen Gedanken? Mit meinem Kopf? Mit meinem Herzen? Welche Gefühle löse ich so in mir aus? Was macht das mit mir? 
  • Bin ich vielleicht ich es selber, der/die dafür verantwortlich ist, wie ich mich fühle und wie sich andere um mich herum fühlen? 
  • Wozu ver- /beurteile ich mein Gegenüber?
  • Glaube ich, etwas Besseres zu sein? Glaube ich "es" besser zu wissen?
  • Welches Ziel, welchen Nutzen verfolge ich mit meinem Ver- und Beurteilen? (wir haben immer einen "Nutzen" davon!) 
  • Wie könnte ich das nächste Mal anders reagieren? Will ich das überhaupt? 
  • Was könnte ich anders denken, anders tun? 
  • Was passiert, wenn ich mein Gegenüber einfach lasse wie er/sie ist; vielleicht noch einige klärende Rückfragen stelle? 
  • Was "passiert" denn (mit mir), wenn zwei Menschen zu einem Thema eigene, nicht identische Meinungen haben? 


Interesse für sich und andere
Wenn wir uns angewöhnen weniger zu vergleichen, zu bewerten, zu ver- und beurteilen wird so vieles leichter. Das heisst nicht, dass wir alles abnicken und gut finden. Doch wir dürfen lernen, jedem seine Meinung und seine Art das Leben zu leben, lassen.

Wenn wir Interesse für uns selbst und andere zeigen, wollen wir an den Gedanken und Gefühlen bewusst teilhaben. Wir machen uns selber und unser Gegenüber damit wichtig. Interesse zeigen ist wie eine Eintrittskarte in eine wertschätzende zwischenmenschliche Beziehung, denn das Gegenüber fühlt sich dadurch beachtet und ernst genommen. Ein Gefühl der Wertschätzung und des Respekts kann so entstehen.

Zudem nehmen wir uns Zeit. Wir lassen unser Gegenüber auf diese Weise spüren: "hei, du bist mir wichtig". 
Lassen wir doch die anderen vermehrt wie sie eben sind, wie sich eben geben... wir sind ja auch dankbar, wenn nicht jeder an uns herumnörgelt. 

In: Beziehungen 


Tags: verurteilen  beurteilen  kategoriesieren 

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