Von RatSchlägen und GutGemeintem

Gepostet von Barbara Spring am Sonntag, Mai 29, 2016 Unter: Lebensstil



Die ersten Lebensjahre eines Menschen sind die Jahre in denen der sogenannte Lebensstil geprägt wird. Es ist ein „schöpferischer Prozess“. Wir lernen in dieser Zeit von unserem direkten Umfeld wer/was wir sind, wie wir zu sein haben, wer und wie die anderen sind und wie das Leben ist. Wir eignen uns Grundüberzeugungen an, die uns ein Leben lang steuern werden. Unbewusst. Solange, bis wir uns diese Überzeugungen bewusst machen. Dann können wir anders Denken – Fühlen und Handeln lernen. Bewusst. Verlassen der eigenen Komfortzone. Das braucht verdammt viel Mut. Doch dieser Mut ist da!

Im ersten Lebensjahr suchen wir instinktiv nach Geborgenheit, Nähe, Wärme, Akzeptanz, bedingungslos geliebt werden, nach dem Urvertrauen. Die Mutter-Kind-Beziehung ist zentral. Wenn wir diese Erfahrungen machen können, wissen wir instinktiv, dass die für uns so dringend notwendige Zuneigung immer vorhanden sein wir und können dann auch mit zeitweiliger Zurückhaltung unseres Umfelds gut umgehen.

Im zweiten Lebensjahr wollen wir eine gewisse Unabhängigkeit und
(Bewegungs-)Freiheit trainieren. Wir wollen «Selber!» «ich will!». Wenn wir dieses «Selber!» erfolgreich und erMUTIGend erlernen können, stärken wir unsere Selbständigkeit und Kooperationsfähigkeit.

Im dritten Lebensjahr suchen wir nach einer gesunden Überlegenheit, der eigene Wille, die Durchsetzungskraft wird trainiert. Wir streben danach wichtig sein zu können. Wir wollen auch Beitragen können. Können wir dies auf einer erMUTIGenden Basis trainieren, stärken wir dadurch unser Durchsetzungsvermögen und unsere Kompromissbereitschaft. Es kann nach unseren Vorstellungen gehen, muss aber nicht. Beides ist in Ordnung.

Wir haben ein «gesundes» Selbstvertrauen in einem erMUTIGendem Umfeld entwickeln können.

Die Erfahrungen aus der Kindheit können wir als Erwachsene nicht mehr ändern. Doch als Erwachsener können wir lernen, damit anders umzugehen. Wir sind für uns selbst verantwortlich. Wir können uns all das geben, was wir glauben, in der Kindheit nicht bekommen zu haben. Selbstliebe. Selbstakzeptanz. Selbstvertrauen. Vertrauen zu wollen in die Kraft des Universums. ErMUTIGung.

Wenn du nach dieser einen Person suchst, die dein Leben verändern wird.
Wirf einen Blick in den Spiegel! 

Geschwisterreihenfolge
Meine Geschwister sind 13,12 und 8 Jahre älter. Ich bin somit eine Erst- und gleichzeitig Jüngstgeborene sowie ein Einzelkind. Drei Rollen in einer. Ich bin ich es mir gewohnt die Dinge des Lebens mit mir alleine auszumachen.
Jedes Kind hat seine ganz speziefische Rolle innerhalb der Familie und entwickelt ganz spezifische Eigenschaften... die mit dieser Rolle einhergehen. Die Position innerhalb der Geschwisterreihenfloge ist ein entscheidender Ausgangspunkt in der Entwicklung des Menschen. 

Der/die Älteste
Erstgeborene strengen sich an, an erster Stelle zu bleiben. Sie brauchen in besonderem Masse das Gefühl, gut genug zu sein, da sie leicht zu Perfektion neigen. Erstgeborene dürfen verstehen lernen, dass nicht der Perfektionismus zum Ziel führt. Über allem möchten Erstgeborene Verantwortung tragen und Entscheidungen selber treffen. Sie sind zudem sehr zielorientiert... auch wenn es gar kein Ziel gibt. 

Der/die Zweite

Stehen oft in Konkurrenz zum Erstgeborenen. Ist dieses z.B. angepasst, dann wird das zweite Kind oft das Gegenteil sein bzw. umgekehrt. Sie wollen das Erstgeborene oft "überholen" und schaffen es meist auch. 

Mittelkinder

Entwickeln oft die Meinung, dass das Leben ungerecht sei. Sie haben ein ausgeprägtes Gefühl für Recht und Unrecht. 

Der/die Jüngste
Sind oft Charmeure, können andere leicht für sich gewinnen und um den Finger wickeln. Sie haben oft hohe Ansprüche an sich selbst und ihre Umgebung und häufig das Gefühl, dass ihre Meinung nicht so ernst genommen wird, wie die von den anderen Geschwistern; sie sind eben die "Kleinen".

Das Einzelkind
Hat oft das Gefühl etwas "Besonderes" zu sein auch wenn es nicht verwöhnt worden ist. Sie fühlen sich fast immer dafür verantwortlich, was mit Vater oder Mutter passiert, können meist gut mit älteren oder mit jüngeren Kindern spielen. Mit Gleichaltrigen fällt es ihnen dagegen schwer.
Sie sind aufgewachsen als die "kleinen Erwachsenen", stets unter dem Druck gut zu sein, gepaart mit Verantwortung, welche bereits als Kind übernommen werden musste. Immer mussten Dinge richtig und gut gemacht werden, so dass das Kind ein ausgezeichnetes Organisationstalent und ein effizienter Macher werden konnte. Hat es das Einzelkind geschafft, die Erwartungen zu erfüllen, hat es einige ausgezeichnete Qualitäten im Rucksack; wenn nicht, steht es sich selbst immer wieder selbst im Weg. 

Gemäss ihren Rollen glauben Geschwister (und andere) sofort zu erkennen wo's beim anderen klemmt. RatSchläge und GutGemeintes kommen ungefragt. Wir werden mit allerlei „tu' dies, tu' das, lass jenes…“ eingedeckt. Alles gut gemeint. Doch was, wenn wir diese RatSchläge, dieses GutGemeinte gar nicht wollen? Was, wenn wir einfach nur gehört und verstanden werden wollen? Dann lassen wir das mit dem sich Mitteilen lieber von vornherein bleiben; weil wir ja wissen, wie's kommt... analysiert, katalogisiert, be- und verurteilt zu werden. RatSchläge eben. Lieber auf Distanz bleiben als wieder und wieder missverstanden, verletzt zu werden. Oder: wir lernen, uns anders mitzuteilen, anzuvertrauen. Wir suchen uns Menschen, die nicht verurteilen. Menschen, die einfach nur zuhören und einen Rat geben, wenn wir ihn erbeten haben. Dann ist’s ok, dann können wir diesen Rat auch annehmen.

Jeder Mensch geht mit seiner eigenen „Wahrheit“ durch sein Leben. Auch Geschwister. Sie glauben, uns ganz genau zu kennen. Obwohl die Familie dieselbe ist; die Erfahrungen die jedes Familienmitglied macht und die Schlussfolgerungen, die daraus gezogen werden, sind grundverschieden. Manchmal können wir uns an die Situation nicht mehr erinnern. Aber an das Gefühl! Dieses Gefühl kann nicht erklärt oder vermittelt werden. Es fühlt sich einfach nur an. Manchmal schön, manchmal nicht. Wichtig zu wissen ist, dass grundsätzlich jede/r aus seiner Sicht recht hat. Wir reagieren aus der eigenen Wahrnehmung und Grundüberzeugung heraus. Immer.

  • Mit den Augen des anderen sehen
  • Mit den Ohren des anderen hören
  • Mit dem Herzen des anderen fühlen

Das kann ganz schön schwierig sein. Und schafft Nähe, Verständnis.  

„Wenn du nicht 1000 Meilen in den Mokassins des anderen gegangen bist, 
hast du kein Recht, über ihn zu urteilen.“ 
(Weisheit aus Nordamerika)


Bevor du dich über mich und mein Leben äusserst, ziehe meine Schuhe an. Gehe meinen Weg, durchlaufe dieselben Strassen, Berge und Täler; fühle dieselbe Trauer; erlebe denselben Schmerz; dieselbe Freude. Durchlaufe dieselben Jahre, die ich gegangen bin, stolpere über jeden Stein, über den ich gestolpert bin, stehe immer wieder auf und gehe genau dieselbe Strecke weiter, genau wie ich es tat. Erst dann kannst -und nur dann - kannst du dir ein Bild über mich und mein Leben machen. 

RatSchläge und GutGemeintes
Führen oft dazu, dass wir uns gemassregelt, bevormundet, nicht gut genug, als VersagerIn, als schlechte Schwester, Bruder, Vater, Partner... fühlen. Gefühlte Minderwertigkeit. Gefühltes Unverstandensein. Das schafft Distanz. 

Wozu soll ich erzählen? 
Haben wir immer wieder dieselbe, negative Erfahrung gemacht wenn wir uns dann doch endlich geöffnet haben... dann lassen wir es künftig lieber gleich bleiben. Dann nehmen wir die Distanz, die sich dadurch aufrecht erhält, in Kauf. Der Preis wieder analysiert, katalogisiert, beratschlagt zu werden ist uns zu hoch. Wir können sie nicht mehr ertragen, diese Besserwisserei, diese RatSchläge. Was uns fehlt? Echte Anteilnahme, Wertschätzung, Interesse. 
Die "Sorge" der anderen um uns steht im Vordergrund. "Wir machen uns Sorgen um dich"... "Du brauchst Hilfe"... Doch sie fühlt sich mehr wie immaginäre Ohrfeigen an. 

Muster aufbrechen
Sich mitteilen wollen ist ein Bedürfnis. Wir können dies tun - anders als bisher. Das ist die Lehre die wir aus den bisherigen Erfahrungen ziehen können. Wir können uns dabei auch selbstkritisch fragen, wozu wir uns immer wieder in dieselben Situationen begeben. Was wollen wir unserem inneren Kind insgeheim bestätigen? Über uns, die anderen, das Leben? Und wenn wir den Blickwinkel einmal verändern würden? Was würden wir dann tun? Welche Gedanken würden helfen? Welche Gefühle würden dadurch ausgelöst? Welche Handlung könnte jetzt weiterhelfen?

Horizonterweiterung. Verlassen der eigenen Komfortzone. Das braucht verdammt viel Mut. Doch dieser Mut ist da! Und wir werden dafür "belohnt" werden. Wir übernehmen das Steuer, die Verantwortung für uns. Das Selbstvertrauen bekommt einen Turboschub. Mit sich selbst liebevoll, respektvoll und erMUTIGend umgehen. Ebenso mit den anderen. So wie wir mit uns selbst umgehen, gehen wir mit unserer Umwelt um - und umgekehrt. Resonanz. Manchmal trennen sich Wege... um in anderer Weise wieder zusammen zu kommen. Manchmal braucht es auch schmerzvolle Erfahrungen um weiter zu kommen. 

Wenn immer und alles rund laufen würde... würde uns die andere Seite der Medaille verborgen bleiben. Das wäre sehr schade. Denn alles hat zwei Seiten. Immer. Es liegt schlussendlich an uns selbst, wie wir diese Seiten sehen wollen; was wir daraus machen wollen, was wir "sehen". 

In: Lebensstil 


Tags: selbstvertrauen 

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