Und wir tun es immer wieder

Gepostet von Barbara Spring am Mittwoch, Oktober 7, 2015 Unter: Lebensstil

Warum menschliches Verhalten immer ein Ziel hat



Die ersten drei Jahre nach der Geburt sind enorm wichtig für den Verlauf des weiteren Lebens.Hier bilden wir den sogenannten Lebensstil. Die Art und Weise wie wir mit uns, den anderen und dem Leben umgehen wollen. 

  • Im ersten Lebensjahr streben wir nach Geborgenheit, Nähe, Wärme, Akzeptanz, bedingungslos geliebt zu werden, nach Urvertrauen.
  • Im zweiten Lebensjahr streben wir nach Unabhängigkeit, (Bewegungs-)Freiheit, «Selber!» «ich will!».
  • Im dritten Lebensjahr streben wir nach Überlegenheit, eigenem Willen, Durchsetzungskraft, wichtig sein zu können, Standhaftigkeit, Beitragen zu können.

Wenn wir so die ersten drei Lebensjahre aufwachsen können, gehen wir mit viel Mut und einem gesunden Selbstvertrauen ins „Rennen des Lebens“. Wenn dem nicht so ist, trauen wir uns in gewissen oder gar allen Lebensaufgaben wenig bis nichts zu, wir glauben, nicht geliebt, nicht gut genug, nicht wertvoll genug zu sein, keinen Platz verdient zu haben… uvm. 

Der entmutigte Teil des Lebensstils wird aktiv
Wenn es uns nicht so gut geht, tun wir instinktiv mehr von dem, was uns nicht gut tut. Wir können aus diesem Muster nicht einfach so aussteigen. Anstelle von weniger Schokolade zu kaufen, kaufen wir mehr ein… und essen sie dann auch gleich alle auf. Zum Trost. Ist ja nur dieses eine Mal.

Wir geben unaufgefordert Ratschläge, wenn z.B. unser Gegenüber – wieder – in seinem Muster hängen geblieben ist. Und schon wieder gibt es einen heftigen Streit. Wir wollten doch nur helfen, wir meinten es doch nur gut!

Wir wurden kritisiert – egal ob berechtigt oder nicht - und treten sofort den Rückzug an, ziehen uns in unser Schneckenhaus zurück und lecken unsere Wunden.
Wir haben einen Fehler gemacht – auch wenn er für andere noch so unbedeutend war – und glauben, wir seien zu gar nichts zu gebrauchen.

Ein lieber Mensch zieht in eine andere Stadt oder in ein anderes Land und wir glauben, ohne ihn / ohne sie nicht klar kommen zu können.       



Negative innere Gespräche
 

Was wir schon alles hinbekommen haben, ist völlig irrelevant. Nur die Fehler, nur das Negative, nur das Versagen zählt. Wir gehen in solchen Momenten sehr hart mit uns ins Gericht. Da geht der Gedanke durch den Kopf: „das schaffst du eh wieder nicht“, „das geht sowieso wieder schief“, „ich bin immer machtlos“, „ich darf mich nicht wichtigmachen“….. und schon essen wir wieder Schokolade, ziehen uns zurück, geben Ratschläge… und erleben immer wieder – ganz zum Schluss – dass wir uns nicht zugehörig, nicht geliebt, nicht gut genug fühlen.

Aus welchem Grund tun wir uns das überhaupt an?
Es ist unser Lebensstil, der da aktiv ist. Lebensstil heisst, wir gehen mit unserer eigenen frühkindlichen Brille durch die Themen unseres (Er-)Lebens. Wenn wir unter Druck kommen, „benehmen“ wir uns wie damals, als wir zwei-, drei-, vierjährige Knöpfe waren… wir verhalten uns wie im „Sandkasten“ und merken’s nicht, weil dieses Bewältigungsverhalten für uns normal ist. Wir bestätigen uns damit unsere Grundüberzeugungen zu uns, den anderen und dem Leben. In der Individualpsychologie nennt sich dies „Finalität“. Es ist unsere unbewusste Erwartung, das Ziel. Und unsere Ziele sind die Beweggründe unseres Verhaltens. Nun müssen diese Ziele längst nicht von positiver Art sein. In diesem Beispiel hier kann ein Ziel heissen: „egal wie stark ich mich auch engagiere… ich werde nie gewinnen“. Und dieses „nie gewinnen“ ist eben dann die angestrebte und schlussendlich erlebte Finalität. Und weil unser Verhalten für uns immer Sinn macht (für andere oft nicht, da ja jede/r mit seiner eigenen Brille durch’s (Er-Leben geht), werden wir uns – wenn wir bei diesem Beispiel bleiben – immer wieder in Situationen hineinmanövrieren, wo wir a) entweder gar nicht gewinnen können oder b) wir uns selbst am Gewinnen hindern werden. Alles passiert unbewusst. Fazit: Ziel erreicht.



Mehr als 80% aller geistigen Vorgänge in uns gehen unbewusst vor sich. Wir funktionieren über unseren Autopiloten. Das ist auch ganz gut so…denn sonst könnten wir nicht atmen, nicht gehen, nicht Autofahren, nicht Stufen laufen, unseren Namen nicht sagen…

Doch wenn wir unter Druck kommen, sollten wir – spätestens dann! – den Autopiloten ausschalten und anders als bisher an die Fragestellung die uns das Leben gerade bereithält, heran gehen.

"Wenn du wissen willst, was du willst, musst du schauen, 
was du tust, und was das Resultat deiner Handlung ist"

Was hilft?
Bewusstes Wahrnehmen von sich und seinen Gedanken, seinen Gefühlen und seiner Handlungen. Sich selbst gegenüber achtsam sein. Selbstreflektion und Fremdreflektion. Das Erkennen und Verstehen der eigenen Muster und wie wir sie uns immer wieder zurechtlegen.

Nur wenn wir die Bereitschaft zulassen, bei uns selbst hinschauen und uns selbst verändern zu wollen, kommen wir aus diesen Mustern heraus. Das Zauberwort heisst: üben. Üben kommt von Tun. Wer nichts tut, übt nicht. Wer nicht übt, lernt nichts Neues. Vielen macht jedoch genau dies Angst. Zum Teil höllische Angst. Denn: wir müssen unsere Komfortzone verlassen. Wir können nicht einschätzen, was alles anders wird, wo uns unser neues Denken – Fühlen und Handeln hinführen wird. Doch wenn wir es nicht ausprobieren, werden wir es nie erfahren. Und bleiben in unserer Komfortzone sitzen… und träumen von einem anderen (Er-)Leben. 

In: Lebensstil 


Tags: ziel verhalten muster 

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