Wendepunkt

Gepostet von Barbara Spring am Samstag, Oktober 3, 2015 Unter: Gewohnheiten ändern
Das Leben stellt uns täglich vor Entscheidungen. Meist sind es kleinere, wenig einschneidende Entscheidungen. Doch hin und wieder stehen wir vor echten Herausforderungen. 

Unser Alltag ist voll von Entscheidungen. Es beginnt schon frühmorgens wenn der Wecker uns aus unseren süssen Träumen in die Wachwelt zurück holt: "soll ich jetzt aufstehen oder doch lieber liegen bleiben". Wir stehen auf und schon die nächste Entscheidung: "duschen ja oder nein, welche Kleidung anziehen, reicht die Zeit noch für einen Kaffee...". So geht das den ganzen Tag. Es sind Entscheidungen, die wir aus unserem Autopiloten heraus treffen. Weil wir es schon immer so getan haben, weil es für uns normal ist. Da brauchen wir uns unser Handeln nicht bewusst vor Augen zu führen oder gar zu hinterfragen. Es passt einfach. 

In anderen Situationen können Entscheidungen Leben retten, Freundschaften werden geschlossen oder aufgegeben. Wenn wir uns entscheiden, ein Tier halten oder eine Familie gründen zu wollen, sind wir - in meinen Augen jedenfalls - bei den grossen, einschneidenden Entscheidungen angelangt. Hier übernehmen wir ganz bewusst für andere Verantwortung. Hier wollen wir ganz bewusst für andere da sein. Für eine lange Zeit. 

Wenn wir uns z.B. dazu entschliessen, ein Tier halten zu wollen gibt es Fragen zu klären wie: "ist meine Wohnsituation für dieses Tier überhaupt die richtige, habe ich genug Zeit, mich dem Tier entsprechend widmen zu können, braucht es eine Versicherung, stehen mir die notwendigen Ressurcen zur Verfügung, um mit meinem Tier regelmässig zum Tierarzt zu gehen, das korrekte Futter zu kaufen. Was ist, wenn ich in die Ferien will. Kommt mein Tier mit. Steht ein guter Ferienplatz zur Verfügung". Und, und, und...

Wendepunkt



Manchmal stehen wir an einem echten Wendepunkt unseres Lebens. Grundsätzlich ist bisher alles gut verlaufen. Eine Kindheit ohne dramatische Erlebnisse, gute Ausbildung, guter Job, Partnerschaft ist soweit auch ok. Und doch ist da seit Jahren dieses latente Gefühl, nicht sein Leben zu leben. Immer wieder tauchen diese Gedanken und Gefühle auf. Die, die uns innerlich aufwühlen, die innerlich "an uns rütteln". Und dann ist sie plötzlich und völlig unerwartet da: DIE Gelegenheit, DIE Chance auf die wir doch immer gehofft hatten und nie wirklich glaubten, dass sie einmal real werden könnte. Jetzt ist sie da... und die Entscheidung wartet darauf, getroffen zu werden.

Das Abwägen von Für und Wider nimmt seinen Anfang. Zu Beginn denken wir: "ja, das wäre schon toll... aber das sind alles Illusionen... unmöglich realisierbar...". Und wir versuchen, innerlich wieder los zulassen. Doch immer öfter ertappen wir uns dabei, wie wir uns unser neues Leben vorstellen. Es fühlt sich so gut, so echt an! Wir schaffen es sogar, innerlich immer wieder eine "gesunde" Distanz einzunehmen, lassen auch zu, die weniger rosigen Seiten erkennen zu wollen. "Was, wenn alle Stricke reissen... und der Traum nur ein Traum war oder gar zum Albtraum wird und die Illusion wie eine Seifenblase platzt? Gesichtsverlust auf der ganzen Linie! Kein Zurück mehr! Alles auf eine Karte gesetzt und alles verloren. Und dann noch die Stimmen der anderen, die sagen: "ich habe es ja gesagt", "ich habe dir gesagt, tu's nicht!"... Eine schreckliche Vorstellung. 

Im Strudel der Gefühle
Wir fühlen uns wie in einem Wäschetrockner. Alles dreht sich, der Boden wankt, wir finden gerade keinen Halt, sind "blind" unterwegs, tasten uns durch unsere vielen Gedanken, Wenn und Abers, durch unsere Wünsche und Hoffnungen hindurch... Es ist eine anstrengende und kräftezehrende Zeit. Doch diese Zeit ist wichtig, es ist wichtig, dass wir all dies zulassen. Nur so finden wir die Entscheidung, zu der wir dann auch stehen können, stehen wollen.
Und dann kommen wir an den Punkt wo wir uns Mut zusprechen können, wo wir uns sagen, dass andere vor uns auch schon viele einschneidende, wegweisende Entscheidungen getroffen haben. 
Sicher fragen wir uns auch, ob wir andere in unsere Gedanken, in unsere Pläne einweihen wollen. Auch da wägen wir wieder ab, bereit sind den Rückmeldungen begegnen zu können. Wir suchen nach mehr Infos, die helfen, die "richtige" Entscheidung treffen zu können. Es gibt tausend Fragen und viel zu wenig Antworten. 

Müssen wir denn immer alles wissen und planen?
Immer wieder ist zu lesen, dass man seinem Herzen folgen soll. Eine gute Sache doch: was heisst das für unsere anstehende Entscheidung jetzt genau? Es ist wichtig erkennen zu können, welcher Anteil in uns spricht, wer von unserem "inneren Team" gerade die "Regie" inne hat.

Ist es jener Anteil in uns der die Angelegenheit rational und nüchtern betrachtet. Auf die Machbarkeit hin überprüft und all das, was ist und was sein könnte einander gegenüberstellt - alles wird in eine Waagschale geworfen. Es kommt uns so vor, als würden die eigenen Eltern gerade mit uns sprechen. Die inneren Bewertungen gehen los, Grundüberzeugungen zu sich, den anderen, dem Leben werden aktiviert und (wieder) (zu) wichtig gemacht. 

Oder ist es der Kritiker in uns, jener Anteil, der uns tadelt, zurechtweist, uns die Flausen aus dem Kopf treiben will.

Oder ist es jener Anteil in uns, der auf 100%tige Sicherheit bedacht ist und ohne diese Gewissheit (die es übrigens nie geben wird) lieber beim Alten, beim Gewohnten und Bekannten bleibt anstelle seinen Gefühlen und Bedürfnissen zu folgen? Dann hat das innere Kind die Regie übernommen. 

Oder ist es der mutige Anteil in uns der im Laufe unseres Lebens gelernt hat, Neues mutig anzupacken, der gelernt hat, an sich und seine Stärken zu glauben?

Welchem Anteil in uns wollen wir die Regie geben?
Ja Neues macht uns Angst. Wir wissen noch nicht, wie wir damit umgehen sollen. Wir können nicht einschätzen, wie "es" sein wird. Wir haben keine oder kaum Anhaltspunkte, vielleicht eine Zeitlang auch kein Umfeld, das uns trägt. Vielleicht sind wir wirklich einen Augenblick alleine... doch es geht immer weiter. Es gibt immer neue, andere Möglichkeiten wenn das Bisherige nicht funktioniert. Es gibt immer wieder Wege. Und es geht darum, neue Erfahrungen zu sammeln. Nur so finden wir heraus, was für uns stimmig ist. 

Grosse Entscheidungen zu treffen ist wohl für niemanden eine leichte Übung. Doch was könnte langfristiger unbefriedigender sein: sich immer wieder aus Angst gegen sich zu entscheiden oder endlich auf seine Bedürfnisse, auf seine Gefühle hören zu wollen und mutig den Sprung in neue Gewässer zu wagen? Manchmal helfen auch Aussensichten, Meinungen, Stimmen von anderen, um sich ein noch umfassenderes Bild machen zu können.
Doch schlussendlich kann diese Frage nur jeder und jede für sich alleine beantworten.

In: Gewohnheiten ändern 


Tags: gewohnheiten wende neues 

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