Wenn zwei sich streiten freut sich der Dritte

Gepostet von Barbara Spring am Freitag, Januar 29, 2016 Unter: Selbstvertrauen
Ich werde unverwundbar - oder wie mein innerer Bodyguard zur Tat schreitet



Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie „emotional unverwundbar“ wären? Wenn Sie die Äusserungen, Blicke, Handlungen der anderen nicht mehr zu sich nehmen würden?
Wie würde sich Ihr inneres Selbstgespräch anhören, wenn sie „ein dickeres Fell, einen Schutzschild“ hätten? Wenn Sie sich selber wohlwollend und erMUTIGt begegnen könnten, eine gesunde Distanz zu den Dingen haben könnten?

Unsere vier inneren Stimmen
Da sind sie nun, unsere inneren Stimmen, die kleinen Wesen, die uns ständig im Innenohr liegen. Vier davon sind’s. Wie alles haben auch sie zwei Seiten. Die eine Seite fühlt sich für uns entmutigt an, sie lässt uns immer wieder klein bleiben oder sogar kleiner werden. Unser Selbstvertrauen, unser Selbstwertgefühl schrumpft. 
Die andere Seite fühlt sich für uns erMUTIGend an, sie lässt uns mitunter über uns hinauswachsen, baut unser Selbstvertrauen, unser Selbstwertgefühl mehr und mehr auf. Diese Seite ist unser innerer Bodyguard und die können wir bewusst stärken. 

Zu den vier Kerlchen
Der eine braucht enorm viel Sicherheit, Klarheit, Struktur. Er muss wissen, was Sache ist. Auch wenn nur noch ein minimaler Zweifel, ein winziges Aber im Raum steht, kann dieser kleine Kerl die schönsten Pläne sehr erfolgreich torpedieren. Der innere Kritiker entfaltet sich zu seiner ganzen Grösse. Vieles wird als Gefahr, als negativ eingestuft. Nur die Routine, das Bekannte gibt Sicherheit… bitte nichts verändern! Solange dieser Kerl das Sagen hat ist eine Entscheidung in eine andere Richtung kaum möglich. Das Umfeld reagiert mit noch mehr Druck, fordert endlich eine Entscheidung. Die anfangs positiv empfundene Zuverlässigkeit wird mehr und mehr einengend, unflexibel bis stur empfunden. 

Dann ist da der Ungestüme, der einfach mal macht. Hü und Hop. Ohne gross darüber nachzudenken was die Konsequenzen sein könnten. Er ist ständig am Tun. Bei ihm muss ständig was laufen. Routine bitte nicht! Zu viel Struktur ist diesem Kerlchen ein Greuel. Er improvisiert gerne, holt sich die Lorbeeren persönlich ab. Er zeigt allen anderen, wer hier das Sagen hat! Das kann mitunter für das Umfeld ganz schön schwierig werden…er selber findet’s völlig in Ordnung und merkt nicht, dass er sein Umfeld übergeht.

Der Dritte im Bunde will ganz einfach in Ruhe gelassen werden. Er macht sein Ding schon. Aber dann und so wie er will. Er will geniessen, Zeit haben. Nörgeln andere an ihm rum, reagiert er trotzig, bockig. Lässt man ihn länger nicht in Ruhe oder setzt ihn gar weiter unter Druck kann es sein, dass er aus der aktuellen Situation ausbricht… einfach so… ohne Vorwarnung… Hauptsache dieses Genörgel, dieser Druck hört auf! Das Umfeld reagiert irritiert und kann die Reaktionen weder einordnen noch verstehen.

Und zu guter Letzt ist da noch der ganz Freundliche. Er will’s allen und immer recht machen. Bloss nicht Nein sagen; was würden sonst die anderen denken?! Womöglich würde er dann noch abgelehnt, ausgeschlossen. Das geht gar nicht. Lieber dem Frieden zuliebe Ja sagen und die Faust im Sack machen. Irgendwie wird es dann schon gehen. Dabei fühlt sich das „Freundliche Kerlchen“ in uns ganz mies, denn eigentlich möchte er am liebsten nicht… aber dann… und tut es dann doch wieder – nicht Nein sagen. Das Umfeld ist irritiert... sieht sich mit Unentschlossenheit, einem steten Hin- und Her konfrontiert. 

Jetzt können wir uns selber fragen: wer von den Vieren „gewinnt“ immer wieder? Wer hat schlussendlich (zu) oft das Sagen, den Finger auf dem Drücker? 

Wie wir unsere vier Kerlchen besser kennen lernen
Durch zuhören. Och nee… Selbstreflektion… das artet ja in Arbeit aus… dieses Psychozeugs… bringt ja eh nichts… und irgendwie ist es ja noch immer gegangen… sooo schlimm ist es nun auch wieder nicht… und schon ist das Thema vom Tisch… wir bleiben in unseren alten Mustern hängen.

Was nutzt es schon, wenn wir unsere vier inneren Kerlchen erkennen und benennen können? Ganz einfach: wir übernehmen (wieder) das Steuer. Wir sagen bewusst, was wir denken wollen, wie wir fühlen wollen und was wir tun oder lassen wollen. Wir wechseln ganz bewusst vom Autopiloten zur Handschaltung. Damit übernehmen wir Selbstverantwortung. 

Wie geht das? Dadurch dass wir unseren Selbstgesprächen zuhören. Wir können uns dabei unsere Gefühle zunutze machen. Wenn wir uns gut fühlen, haben wir garantiert etwas Positives, Schönes, ErMUTIGendes gedacht. Wenn wir uns dagegen klein, unbedeutend, traurig, müde, ausgelaugt… fühlen, haben wir garantiert etwas Negatives, Unschönes, Belastendes, Verurteilendes, Bewertendes gedacht.

Hier steigen wir mit der Selbstreflektion ein. Wir schreiben das wahrgenommene Gefühl auf und stellen uns die Frage: "was habe ich gerade eben gedacht?" Diesen Gedanken ebenfalls aufschreiben. Und nun können wir, wenn wir wollen, diesen Gedanken ganz bewusst stoppen. Ganz einfach, indem wir laut STOPP! sagen. Nichts weiter. Wir treffen die Entscheidung, diesen Gedanken nicht mehr denken zu wollen.
Randbemerkung: Für alle Kritiker unter uns, die jetzt sagen: "das geht ja sowieso nicht! Das passiert einfach, da kann ich nichts daran ändern". Doch, wir können unser Denken immer verändern. Denn kein anderer denkt ja für uns; auch denkt "es" uns nicht einfach. Wir tun's selber. Ganz alleine. Das Zauberwort heisst: üben! 
Im nächsten Schritt wird positiv umformuliert. Niemand wird immer und von allen ausgenutzt. Manchmal kann das sein; doch dann haben wir dazu auch unseren Anteil beigetragen.

Beispiel:
Der aktuelle Gedanke: 

  1. Alle wollen immer etwas von mir (Verallgemeinerung „alle“ und „immer“)
  2. Gedanke bewusst stoppen
    STOPP! Laut sagen. Ich will diesen Gedanken nicht mehr denken. Ganz gut dabei ist, sich zu bewegen, ein Glas Wasser trinken gehen, aus dem Fenster schauen, einige Male tief und bewusst durchatmen, in den Spiegel schauen und zu sich sagen: "ich bin gut genug so, wie ich bin"
  3. Jetzt geben Sie dieser inneren Stimme ihre eigene, klar definierte Redezeit.
    Verabreden Sie sich mit ihr noch am gleichen Tag. 30 Minuten reichen da völlig - täglich, versteht sich.
    Hören Sie allen Argumenten aufmerksam zu, schreiben sie alles auf und zum Schluss bedanken Sie sich bei ihrem inneren Kerlchen für die vielen Inputs. Dann ist die Redezeit bis zum nächsten Tag beendet. 
  4. Jetzt finden Sie heraus, was es mit dem ersten Satz auf sich hat. Wenn Sie - wie in diesem Beispiel - davon ausgehen, dass immer und alle etwas von Ihnen wollen, so könnte der unbewusste Glaubenssatz heissen: 
    "andere nutzen mich immer aus"; "ich werde immer ausgenutzt"

  5. Und jetzt wird umgedacht
    Bis zu Punkt 4. sind wir im Denken des Kleinkindes (im Kindmodus) hängen geblieben. Damals, als wir drei, vier, fünf Jahre alt waren, haben wir aufgrund unserer Erfahrungen unsere Denkmuster kreiert. Es entstand unsere persönliche, innere Wahrheit zu uns selber, den anderen, dem Leben. Diese Grundüberzeugungen haben wir tief in unserem Unterbewusstsein abgespeichert. Unsere Trainer waren unsere Eltern, unser unmittelbares Umfeld. 
    Jetzt sind wir erwachsen und können die Sicht des Kleinkindes aus einer anderen Perspektive neu betrachten und uns fragen, ob's denn wirklich zu 100% genau so ist (selbstverständlich nur, wenn wir wollen). In den allermeisten Fällen nicht. 
    Und so könnte der neue Satz heissen:
    "ich komme auch zu meinem Recht"; "ich sorge dafür, dass ich auch zu meinem Recht komme"

Auf diese Weise können wir unsere vier inneren Stimmen kennen lernen. Durch das Aufschreiben machen wir sie uns definitiv bewusst und wir sind immer wie besser in der Lage zu "hören", welches Kerlchen gerade am lautesten vor sich her schreit. 

Der, der Sicherheiten, klare Ansagen benötigt und immer wieder die Für's und Wider's abwägt
Der, der Vollgas gibt und alle links und rechts stehen lässt
Der, der in seinem eigenen Tempo die Dinge angehen will und auf keinen Fall angemeckert und gedrängt werden will
Der, der nicht oder sehr schlecht Nein sagen kann nur damit "die Kirche im Dorf" bleibt

Wir "enttarnen" unsere inneren Miesmacher, unsere inneren Kritiker und lassen unseren Bodyguard seine Arbeit tun. Wie? Indem wir selber - nachdem wir der inneren Stimme zugehört haben - entscheiden, was wir jetzt Denken, Fühlen und somit tun oder lassen wollen. Wir entscheiden uns ganz bewusst, nicht länger der Hampelmann oder die Hampelfrau dieser vier inneren Stimmen sein zu wollen. Wir sagen, wo's lang gehen soll. 

Och nee.... das klingt nach Arbeit... ich lass' es lieber, wie es ist. Sooooo schlimm ist es ja nun auch wieder nicht. Und irgendwie ist es noch immer gegangen.

oder

Ja, ich will mir meine automatisierten Denkmuster bewusster machen und verändern.

Wir haben immer die Wahl. Jede/r für sich. 
Viel Spass beim Einüben Ihres neuen Denkens. Sie werden bald feststellen, dass Sie sich - sofern sie das neue Denken positiv formulieren - deutlich wohler, selbstsicherer und erMUTIGter fühlen werden. 

Zur Erinnerung:
Wenn wir negativ denken, fühlen wir uns negativ und kommen in negatives, destruktives Handeln. 
Wenn wir positiv denken, fühlen wir uns positiv und kommen in positives, konstruktives Handeln.

Ganz wichtig: 
positiv denken heisst: denken was ich will (und nicht, was ich nicht will!) 
ich bin glücklich
ich bin ausgeglichen
ich bin gut genug so wie ich bin
ich bestimme selber
...

Der Ablauf ist immer in dieser Abfolge... nie anders rum... Denken - Fühlen - Handeln. 

Noch eine Schlussbemerkung:
das Einüben von etwas Neuem braucht bekanntlich seine Zeit... 

 




In: Selbstvertrauen 


Tags: selbstgespräche innerer schweinehund 

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